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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Auf den ersten Blick ist Lucia nicht gerade die Rolle, für die man sich Anna Netrebko wünschen würde: Gefährlich groß scheint die Kluft zwischen dem urgesunden, gelassen strahlenden Sopran der Diva und Donizettis femme fragile, der wohl schwächsten und hilfsbedürftigsten aller Opernheldinnen des 19. Jahrhunderts. Einer Frau von Netrebkos vokaler wie darstellerischer Ausstrahlung nimmt man es nur schwer ab, dass sie sich von der rauen schottischen Männerwelt so völlig unterbuttern lässt, dass ihr nur noch die Flucht in den Wahnsinn bleibt. In dieser Met-Produktion tritt dieses Problem denn auch deutlich zutage: Man mag nicht recht glauben, dass diese Frau, die eben noch recht forsch und selbstbewusst gegenüber ihrem fordernden Geliebten und ihrem herrischen Bruder aufgetreten ist, durchdreht, statt einfach die Situation klarzustellen. Davon abgesehen singt Netrebko natürlich gut und im Gegensatz zum etwas dick auftragenden Edgardo von Piotr Beczała auch mit glaubwürdiger Zärtlichkeit. Drumherum herrscht opera business as usual: Marco Armiliato dirigiert forsch, aber ohne besonderes Interesse an der düsteren Romantik des Stücks, Mary Zimmermans Inszenierung verlagert die Geschichte ins viktorianische Zeitalter, ohne ihr allerdings dadurch neue Aspekte abzugewinnen. Ärgerlich nur, dass die DG das Stück völlig unnötigerweise auf zwei DVDs gestreckt hat.

Jörg Königsdorf, 12.12.2009



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