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Georg Philipp Telemann

Duette für zwei Flöten

Dorothee Oberlinger, Lorenzo Cavasanti

Marc Aurel/harmonia mundi RK MA 20040
(63 Min., 2/2008) 1 CD

"Was klingt schlimmer als eine Blockflöte? Zwei Blockflöten!" So lautet ein beliebter Witz, über den in der Barockzeit allerdings niemand gelacht hätte: Damals machte man lieber anzügliche Scherze über die Verführungskraft der "süßen Flöte" – oder widmete ihr wie Georg Philipp Telemann gleich serienmäßig Meisterwerke. Er schrieb für sie Sonaten im galanten Stil, Suiten mit kunstvoll fortgesponnenen, knackig-hochbarocken Motiven und Sonaten in poetisch belebter Kanontechnik. In einem ständigen Verwechslungsspiel tauschen die Stimmen die Rollen zwischen Führung und Begleitung, verzahnen sich, singen sich zu tupfend angedeuteten Bassbegleitungen aus und ergehen sich mal träumerisch, mal neckisch in Klangflächen von wirbelnd vertauschten Terzen- und Sextenparallelen. Bei allem Geist und intimen Charme ist es auch eine virtuose Musik, bei der Telemann die Interpreten in Höhen führt, die für Laien auf immer unerreichbar bleiben werden. Was die spieltechnischen wie kompositionstechnischen Anforderungen betrifft, so ist es ein Glück, dass sich mit Dorothee Oberlinger und Lorenzo Cavasanti zwei exzellente Solisten an dieses Telemann'sche Herzensrepertoire gewagt haben. Blitzsauber und wieselflink in der Ausführung, glasklar in der Durchhörbarkeit, abwechslungsreich in der Auswahl der Instrumente und bestens historisch informiert in der Phrasierung setzen die beiden diese Musik in Szene. Dennoch: Der "süßen" Seite des verführerischen Instruments werden sie bei ihrer Ehrenrettung für Telemann weniger gerecht. Hier wäre nach wie vor der Interpretation der sechs Duette Vorrang zu geben, die Michala Petri und Elisabeth Selin 1990 vorgelegt haben: Glatter im Ton und am Rande der Romantisierung atmen ihr Frage- und Antwortspiele dennoch eine Sinnlichkeit, die sich Oberlinger und Cavasanti leider kaum gestatten.

Carsten Niemann, 20.11.2009



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