Responsive image

The Astounding Eyes Of Rita

Anouar Brahem

ECM/Universal 1798628
(54 Min., 10/2008) 1 CD

Der tunesische Oud-Spieler Anouar Brahem ist ein Magier der Entschleunigung. Er spielt die arabische Knickhalslaute in der Tradition der andalusisch-maurischen Musikschule Córdobas, auf die wiederum die europäische Lauten- und Gitarrentradition zurückgeht. Vielleicht ist dies ein Grund, dass die Musik Brahems immer wieder wie eine geheimnisvolle Entdeckungsreise zu den orientalischen Wurzeln unserer eigenen Musik empfunden wird. Anouar Brahem geht es um melodische Linearität und die dabei entstehende Magie des Klangs. Rhythmus begreift er als inneres Pulsieren. Für diese neue Produktion hat er in dem libanesischen Darbuka- und Bendir-Spieler Khaled Yassine einen Seelenverwandten gefunden.
Seit seiner Zusammenarbeit mit John Surman liebt Brahem den Zusammenklang von Oud und Bassklarinette, und das Spiel des klassisch geschulten, deutschen Klarinettisten Klaus Gesing, der bei sich und seiner europäischen Tradition bleibt und platte Arabesken vermeidet. Gesing ist dabei die sensibel selbstbewusste Komplementärstimme zu Brahems melancholischer Lesart der Poesie des Palästinensers Mahmoud Darwish, auf die sich das Album bezieht. Es mag erstaunen, dass Brahem angesichts der ansonsten fragilen akustischen Klänge seines Ensembles den Basspart mit einem E-Bass besetzt hat. Das einfühlsame und vor allem äußerst sparsame Spiel des Schweden Björn Meyer macht diese Entscheidung plausibel, denn das E-Instrument ermöglicht diesen langen Sustain, der die schnell verklingenden Töne von Oud und Perkussion mit wohligen Schwebeklängen unterfüttert. So kann sich die Linearität der Musik immer wieder zu zirkulär verharrenden Strukturen krümmen, die die Dauer der Zeit thematisieren – ein Phänomen, das man aber auch als sehr ausgeprägten Hang zur Repetition empfinden kann.

Thomas Fitterling, 13.11.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man eine Umfrage über die Lieblingsjahreszeiten machen würde, dann würde der Winter dabei vermutlich eher schlecht abschneiden. Zu kalt, zu nass, zu dunkel – so die landläufige Meinung über diesen introvertierten Bruder des sonnensatten Sommers und der farbenfrohen Übergangszeiten. Nur Weihnachten, das bildet ein kleines, gemütliches (wenn auch für viele nicht unstressiges) Glanzlicht in der Winter-Tristesse. Doch der Winter ist weit mehr als nur die dunkle Jahreszeit, das hat […] mehr »


Top