Die Bühne ist karg, es werden lediglich hebräische Schriftzeichen im Stile von "Matrix" projiziert (die dann vom Horizont rieseln, als Nabucco sich selbst zum Gott ernennt). Mit Requisiten wird ebenfalls gespart, und wenn, dann sind sie stilisiert. Eine schwarz-weiß-blaue Farbsymbolik zieht sich durch die Inszenierung. Regisseur Günter Krämer verlegt die historische Handlung um die Befreiung des von den Assyrern unterdrückte jüdisches Volk ins 20. Jahrhundert. Kleidung und Insignien wie Koffer und Kinderwagen erinnern an die Vertreibungen der jüngeren deutschen Geschichte. Aus dem Völkerdrama wird in seiner Inszenierung eher eine Familiengeschichte. Im Zentrum der selbstherrliche Despot Nabucco, König der Babylonier, der hier eine äußerliche Ähnlichkeit mit Berlusconi nicht verleugnen kann, und seine vermeintliche erstgeborene Tochter. Bereits in der Ouvertüre wird der Konflikt auf einen Streit zwischen zwei Kindern heruntergebrochen. Enttäuschend insgesamt ist die überwiegend statische Personenregie.
Es trösten die musikalischen Leistungen. Unter den Solisten hervorzuheben sind neben Leo Nucci mit dunkel-timbriertem Bariton in der Titelpartie vor allem Maria Guleghina in der Rolle der intriganten Abigaille, die mit großer Stimme und messerscharfer Höhe brilliert. Der Chor wird seinem Anteil gemäß gewichtig auf Bühne präsentiert und kann im wirkungsvoll vorgetragenen (anfänglich im Liegen gesungenen) Gefangenenchor im dritten Akt und in vielen anderen Szenen mit kraftvollem und gut ausdifferenziertem Chorklang glänzen. Fabio Luisi leitet Sänger und Orchester souverän durch die abwechslungsreiche Partitur. Schnelle Tempi verleihen dem Werk eine Leichtigkeit und lassen die musikalischen Wurzeln des Frühwerks erahnen.

Peter Overbeck, 04.11.2009



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