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Finding Nymo

Helge Sunde Ensemble Denada

ACT/Edel 0094922ACT
(53 Min., 10/2008 u. 1/2009) 1 CD

Helge Sunde ist die Ausnahme. Im Gegensatz zu den meisten Big-Band-Leadern, die für ihre Großformationen Songs schreiben oder Standards arrangieren lassen, denkt der Norweger in größeren Zusammenhängen und komponiert lange, weite Bögen, in denen er das thematische Material fast wie ein Sinfoniker weiterentwickelt. Dabei groovt die Band kraftvoll. Oder aber sie verbindet – wie in "MoonCrier" geräuschhaft Perkussives mit elegischen Bläsern. Weit über den Durchschnitt der Big-Band-Kompositionen hinausgehend, schreibt er vielschichtige Sätze, in denen er mit der Trennung zwischen Solo oder Hauptmelodie und Begleitung bricht und stattdessen Schichten kombiniert. Dass so einer auch das Getacker von digitalem Schlagzeug, Samples bis hin zum Verkehrslärm und allerlei Klangverfremdungen mit herkömmlichen Instrumentalklängen kombiniert, versteht sich eigentlich von selbst. Jeder der zehn Titel verrät, dass Sundes Horizont weit über die Jazztradition hinausreicht, aus deren Erbe er selbstredend souverän schöpft. Spürbar wird, dass er sich mit der sinfonischen Tradition ebenso wie mit der klassischen und neuen Kammermusik befasst hat. Aus diesem gewaltigen Erfahrungsschatz nimmt er – selbstverständlich wohldosiert und sorgfältig kalkuliert – die für seine unorthodox angelegten Kompositionen passenden Elemente. Und ganz zum Schluss, im "Lullaby of Broltesia", kommt er mit leichtem Augenzwinkern auf klassische Jazzballaden-Arrangements zurück. Die aber verebben – was will er uns wohl damit sagen?! – in gleichmäßigen Schnarchgeräuschen. Dabei ist das gesamte Album alles andere als einschläfernd. So frisch, heiter, komplex, packend und stilübergreifend innovativ hat schon lange keine Big Band mehr musiziert. Wunderbar!

Werner Stiefele, 04.11.2009



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