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Johannes Brahms

Cellosonaten op. 38 Nr. 78 u. 120 Nr. 1

Pieter Wispelwey, Dejan Lazić

Channel Classics/harmonia mundi CCS SA 24707
(71 Min., 4/2006) 1 CD

Erstaunlich selten fühlten sich die Komponisten der Romantik zum Schreiben von Sonaten für Cello und Klavier inspiriert. Und das, obwohl gerade diese Paarung eigentlich ideal ist, um den zeittypischen Antagonismus von Schwermut und stürmischem Drängen zum Klingen zu bringen. Wo die Originale fehlen, schlägt die Stunde des Arrangeurs, und anknüpfend an die vermutlich sogar von Brahms selbst stammende Bearbeitung von dessen erster Violinsonate hat der niederländische Cellist Peter Wispelwey nun die erste der beiden späten Klarinettensonaten gekapert. Das Ergebnis überzeugt allerdings nicht ganz, vor allem weil der mächtigere, breit fließende Ton des Cellos dem Stück die Intimität und zärtliche Versonnenheit nimmt, die bei der Klarinette oder der Alternativbesetzung mit Bratsche für die spezifisch herbstliche Tönung sorgen. Dass solche Adaptionen fast immer nur Kompromisslösungen sind, zeigt sogar die Celloversion der "Regenlied"-Sonate selbst: Für den emphatischen Überschwang des Finales kann ein Cello nun einmal nicht die gleiche funkensprühende Brillanz aufbieten wie eine Violine. An den Interpreten liegt das freilich nicht: Nach ihrer modellhaften Aufnahme der Beethovensonaten zeigen Wispelwey und Dejan Lazić auch in der ersten Brahms-Cellosonate, was für ein fabelhaftes Team sie sind. Mit seinem schattierungsreichen, oft wunderbar edelmürben Ton lässt Wispelwey immer genug Raum für seinen Partner, während Lazić mit klassisch klarem Zugriff das Dialogfeld absteckt. Fortsetzung dringend erwünscht – mit Originalwerken.

20.11.2007



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