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Wunderkammer

Michael Wollny

ACT/Edel 0094872ACT
(52 Min., 5/2009) 1 CD

Auch mit seinen 29 Jahren ist um den deutschen Pianisten Michael Wollny noch eine Aura des Wunderknaben und Tausendsassa. In der jungen Israelin Tamar Halperin, einer promovierten Cembalistin der Juilliard School, hat er seine Alice für den Trip ins Wunderland des tastenmusikalischen Kuriositätenkabinetts gefunden, auf den er sich mit seiner neusten CD begibt. Dort ist es möglich, im Multitracking-Verfahren Klavier, Celesta, Harmonium, Fender Rhodes und Cembalo gleichzeitig zum Klingen zu bringen. Zwölf Miniaturen oder Kabinettstückchen sind so entstanden. Es erinnert sehr an Minimal Music, wie da – angeführt von Klavier und Cembalo – mit den facettenreichen Klangkombinationen dieser Instrumente gespielt wird. Mal wird tiefe Melancholie beschworen und dann wieder übermütig Ausgelassenheit zelebriert. Ganz neu ist diese Art von Tastenmusik nicht: So hat etwa Wolfgang Dauner vor 40 Jahren auf einer LP einen Track gewagt, der einen Blick in eine ähnliche Wunderkammer eröffnete. Allerdings blieb es Michael Wollny vorbehalten, sich für die Länge eines ganzen CD-Programms ganz in diese Wunderkammer der Tastenwelt zu begeben und dort glasklar transparente polyfone Abläufe zu kreieren, wobei ihm seine Partnerin und der Produzent Guy Sternberg bei den Arrangements zum Teil eine helfende Hand liehen. Bei aller Faszination über die vexierbildhaften Klangabläufe gilt doch mitunter auch hier Carl Orffs brummelnde Kritik an der "Minimal Music": "... ’s nimmt halt kaa End."

Thomas Fitterling, 30.10.2009



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