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Heinz Holliger, Clara Schumann

Romanzen, Romancendres, Gesänge der Frühe

Christoph Richter, Dénes Várjon, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, SWR Vokalensemble Stuttgart, Heinz Holliger

ECM/Universal 476 3225
(60 Min., 7/2007 u. 2/2008) 1 CD

Der Schweizer Heinz Holliger, der gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, zählt zu jenen Komponisten, die das Notenreservoir bis in Grenzbereiche vorrücken, mutieren und eskalieren lassen. Wie in seinem, zwischen 1975 und 1991 entstandenen Paradestück, dem "Scardanelli-Zyklus", in dem er das Spätwerk Hölderlins in Textbruchstücke sezierte und in klanglich extreme Ausnahmezustände überführte. Wie von Hölderlin, dieser von der Welt abgeschiedene und schließlich der geistigen "Verrückung" anheimgefallene Dichter, ist Holliger aber genauso fasziniert von den Bewusstseinsdeformationen, die Robert Schumann in seinen letzten Jahren durchlitt. Beide nun, Hölderlin und Schumann, hat Holliger in seinem knapp halbstündigen Werk "Gesänge der Frühe" für Orchester, Chor und Tonband zusammengeführt – durch unter anderem von Bruno Ganz eingelesene Briefe und Obduktionsberichte, die zusammen mit einer bedrängenden, zerrissenen und sich dann wieder wild aufbäumenden Klangsprache ein unter Hochspannung stehendes Psychogramm bilden.
Schumanns Todesjahr bildet auch die Folie für zwei Werkzyklen für Violoncello und Klavier. Clara Schumann komponierte 1853 die "Drei Romanzen" op. 22 ursprünglich für Violine und Klavier. Mit der Cellofassung dieser ungemein romantisch dahinfließenden Stücke schlagen die beiden zunächst tonlich rund agierenden Interpreten den Bogen zu Holligers geisterhaft zerklüfteten "Romancendres" – als eine imaginäre "Rekonstruktion" jener Celloromanzen Robert Schumanns von 1853, die wie vieles aus seinem Spätwerk von Clara verbrannt worden ist.

Guido Fischer, 23.10.2009



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