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Transition In Tradition

Courtney Pine

Destin-E World/Rough Trade 52598882
(55 Min.) 1 CD

Als Hommage an Sidney Bechet (1897-1959) hat der Brite Courtney Pine sein Album "Transition in Tradition" angelegt. Indem er sich nicht verbiegt, ehrt er den großen Sopransaxofonisten tatsächlich. Courtney Pine gibt keine Bechet-Imitation ab. Mehr noch: Er meidet auf dem Sopransaxofon jeden Anklang an den Altmeister und spielt zudem Bassklarinette und Altflöte. So bleibt er vom ersten bis zum letzten Takt ganz er selbst: ein Europäer in der besten britischen Tradition, in der schon in den Sechzigerjahren die Grenzen zwischen Jazz und Pop überwunden wurden. Alle zehn Titel stammen von Pine, und jedem fügt er im Booklet einen kurzen Erklärungstext bei. Die allerdings verweisen eher auf die außerbritischen Wurzeln der Stücke, vor allem auf die Jazzgeschichte aus New Orleans, den Geburtsort Bechets, während sein Todesort Paris eher unterschwellig durch europäische Elemente wie die spanischen Rhythmen und die an iberische Folklore erinnernde Melodieführung in "Le matin est noire" repräsentiert wird. Ansonsten vermengen sich in den Stücken die Tradition des Swing mit Ska, Klezmer, Rock, Cool Jazz, Reggae, europäischer Sakralmusik und dem virtuosen Jazz, der nach der Free-Revolte möglich wurde. Als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt, bläst er im Titelstück völlig unauffällig ein fast einminütiges, dank der Zirkular-Atmungstechnik durch kein Atemfassen unterbrochenes Solo auf dem Sopransaxofon – ein Kunststück zu Ehren Bechets. Mit Violine, Posaune und Vibrafon sowie Piano, Bass und Schlagzeug erzeugt seine Band eine Fülle an Klangfarben, die weit über die Orchestrierungsmöglichkeiten von Sidney Bechet hinausgehen. Courtney Pine nützt sie sehr geschmackvoll und zurückhaltend, und so entstand ein großartiges, von aller Effekthascherei freies Album, das in keine der gängigen Stilschubladen passt. Ähnlich konsequent hatte einst Bechet alle ihm zugänglichen Einflüsse in seine Musik integriert. Das macht "Transition in Tradition" zu einer ernsthaften Hommage.

Werner Stiefele, 16.10.2009



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