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Diverse

Rastlose Liebe

amarcord

Raumklang/harmonia mundi RKAP 10108
(74 Min., 2008 u. 2/2009) 1 CD

Wem die "Rastlose Liebe" wohl gilt, von dem auf dem Titel dieser liebevoll aufgemachten CD die Rede ist? Nun – es ist natürlich die Stadt Leipzig, der die fünf Herren von amarcord seit ihrer Thomanerzeit verbunden sind. Für ihre Liebeserklärung haben sich die Sänger die romantische Periode der Stadt ausgesucht. Eine Zeit, die es modernen Interpreten nicht immer leicht macht – schließlich mokierten sich schon Schumann und Mendelssohn über die "ewigen Quartsextakkorde" und "Philisterphrasen" der damaligen Männergesangslieder. Umso beglückender ist, was amarcord sowohl in der Auswahl als auch im Umgang mit der zur Tümelei neigenden Liedertafelliteratur zu bieten hat. Heimlicher Höhepunkt ist vielleicht die Ersteinspielung des "Weihegesangs" auf Goethe, den Mendelssohn trotz des in seinen Augen platten Texts in Musik setzte. Schwer zu entscheiden, ob es mehr an der Anhänglichkeit des Komponisten zu seinem einstigen Förderer oder an dem Einfühlungsvermögen und der klanglichen Differenzierungskunst der Interpreten liegt, dass aus der Pflichtübung ein tief berührendes Abschiedslied wird. Und damit nicht genug der Entdeckungen: Die harmonisch differenzierten Gesänge von Carl Steinacker können neben vielen der ebenfalls eingespielten Männerquartette, zu denen sich Schumann und Mendelssohn hinreißen ließen, bestens bestehen. Und mit der fast Loriot'schen Präzision und wahrhaft romantischen Ironie des bühnenerfahrenen Ensembles vorgetragen, zündet auch der beschwipste Witz von Heinrich Marschners und Heinrich Leberecht August Mühlings Gesellschaftsliedern. Nicht nur für Leipzigerinnen heißt es da nur eins: zugreifen!

Carsten Niemann, 02.10.2009



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