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Star Eyes, Hamburg 1983

Lee Konitz, Martial Solal

HatOLOGY/harmonia mundi HAT CD 668
(68 Min., 11/1983) 1 CD

Der amerikanische Altsaxofonist Lee Konitz und der französische Pianist Martial Solal sind Ikonen des modernen, kammermusikalischen Jazz'. So frisch und von leicht einzelgängerischer Neugier geprägt ist ihr spielerischer Angang noch immer, dass man kaum glauben mag, dass sie bereits die 80 überschritten haben. Lee Konitz gilt als Meisterschüler des Cool-Jazz-Theoretikers Lennie Tristano. Improvisation als rekomponierende Variation aus genauer Detailkenntnis des Standard-Themenmaterials (bei strikter Einhaltung der Form) war dessen Maxime. Lee Konitz praktiziert dieses Credo mit einem luftig beseelten Ton und der schwerelosen Leichtigkeit eines sprudelnden, melodischen Flusses, der den Bebop zu transzendieren scheint. Martial Solal kennt nicht nur seinen Lennie Tristano, sondern ebenso die Virtuosität eines Art Tatum und dazu die europäische Tradition. Er scheut sich nicht vor Pausen, und Rubato ist für ihn kein Tabu, ebenso wenig wie ein manchmal Form überschreitender Einbezug songfremder Reminiszenzen. Konitz und Solal sind Musiker, die immer wieder den freien Diskurs im Duospiel gesucht haben. Im November 1983 kam es zu einer Begegnung der beiden in der legendären Hamburger Fabrik. HatOLOGY ist zu verdanken, dass diese Sternstunde des Duo-Spiels in erneuter Auflage wieder nachzuvollziehen ist. Kreatives Aufeinander-Hören beflügelte hier die Intuition des Diskurses, der bis ins Letzte stimmig ist – auch und gerade da, wo Konitz' Neigung zur strengen Linearität und Solals Freude an der Ornamentik in Widerspruch zueinander zu geraten drohen. Zwei wohl integrierte Solotracks lassen die unterschiedlichen Spielansätze erhellend aufscheinen, bevor in zwei Standards der Dialog sich virtuos und freudig wieder selbst feiert.

Thomas Fitterling, 02.10.2009



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