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Stridin' The Classics

Dick Hyman, Bernd Lhotzky

Jazz Connaisseur/Media Arte JCCD 0347-2
(55 Min., 10/2003, 7/2004) 1 CD

Um jedem Irrtum vorzubeugen: Es sind nicht die Klassiker des Jazz, denen hier auf die stride-pianistischen Sprünge geholfen wird, sondern Brahms, Chopin, Grieg, Kreisler, Mozart, Rimskij-Korsakow, Tschaikowsky, von Flotow und Wagner. Dan Morgenstern, der große Doyen der Jazzkritik, verteidigt in seinem Booklettext die immer wieder als fragwürdig apostrophierte Verjazzung klassischen Materials. Er verweist auf die jahrhundertealte Wechselwirkung zwischen europäischer Kunstmusik und dem Jazz und hebt letzten Endes auf den Spaß am gekonnten und souveränen Musikmachen ab. Vielleicht ist ja das Stride Piano, dieser spezifische Klavierstil der Zwanziger- und Dreißigerjahre, bei dem sich die Pianisten mit der abwechselnd zwischen Basston und Akkord hüpfenden linken Hand selbst begleiteten, besonders auf originelle Vorlagen angewiesen. Jedenfalls haben die Meister des pumpenden Pianostils, wie ihn die Franzosen scherzhaft nennen, immer wieder den Kontrast zwischen der humorvoll deftig swingenden Begleitung und dem erhabenen thematischen Material gesucht. Der Grandseigneur Dick Hyman aus Florida und der über eine Generation jüngere Bernd Lhotzky aus München sind zweifelsohne große Meister ihres Fachs. Lustvoll pflegen sie die Tradition des Stride-Duospiels an zwei Steinway D-Flügeln auf neun der 14 Titel dieser in der Schweiz aufgenommenen CD. Ob nun als Solisten oder im Duo, die Herangehensweise der beiden Pianisten ist angesichts des sonst durchaus eher derb gepflegten Klavierstils bemerkenswert feinsinnig und einfühlsam. Nur Richard Wagner bekommt von Dick Hyman beim Pilgerchor aus dem "Tannhäuser" mit der Linken eine Beate-Klarsfeld'sche Ohrfeige. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und zu schmunzeln gibt es bei dem pianistischen Feuerwerk dieser CD Dinge zuhauf.

Thomas Fitterling, 25.09.2009



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