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Joseph Haydn

Violinkonzert Nr. 1, Sinfonie Nr. 49, Sinfonie Nr. 80

Freiburger Barockorchester, Gottfried von der Goltz

harmonia mundi HMX 2962029
(69 Min., 8/2008) 1 CD

Unter schlechten und mittelmäßigen Interpretationen leiden Komponisten unterschiedlich stark. Während Beethoven oder Brahms zur Not auch mal die bescheidene Provinzgröße wegstecken oder eine ganze Epoche, die wenig mit ihnen anfangen kann, gehen andere schnell in die Knie. Das ist bedauerlich, aber nicht nur – schließlich freut man sich umso mehr, wenn’s Musiker und Musik wieder richtig gut miteinander können, so wie’s in den letzten Jahren beim empfindlichen Joseph Haydn der häufige Fall ist. Was das Freiburger Barockorchester an Spannung und Frische aus den Sinfonien Nr. 49 und 80 herausschlägt, ist erstaunlich: zum Beispiel der düstere Auftritt des ersten Satzes im früheren Werk, der den Anschein gibt, in eine tragische Oper hineinführen zu wollen, wäre da nicht ein vom Drama merkwürdig unbeeindruckter später Seitengedanke, der eine ganz andere Szenerie entwirft. Mit Hochdruck folgen die Freiburger solch formal eng gedrängten Stimmungsschwankungen. Dieser Haydn lebt entschieden von der klanglich sehr genau balancierten Dynamik des Ensembles, von den starken schwarz-weißen Kontrasten wie von der feinen Modulation. Auch das Tempo ist doppelbödig: auf der einen Seite straff geführt, ohne größere Verschleifungen und Rubati, andererseits im Innern quicklebendig abgestuft. Es überrascht da, dass den Dirigenten Gottfried von der Goltz in seiner Rolle als Solist des 1. Violinkonzerts ein klein wenig die Courage verlassen hat. Sein heller, fast metallischer, nahezu vibratofreier Ton sticht zwar selbstbewusst aus dem Tutti heraus, gleichwohl wirkt der Ansatz ziemlich diätetisch. Die Kantilenen des Adagios sind bei aller Eleganz und Strahlkraft so mager wie die Models von Karl Lagerfeld, und auch an den Ecksätzen ist wenig Speck. Umrahmt von zwei so drallen Sinfonien fällt die schlanke Linie besonders auf. Es ist wohl wie bei den Menschen: Dick und dünn sind relativ.

Raoul Mörchen, 18.09.2009



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