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Niccolò Paganini

24 Capricci

Thomas Zehetmair

ECM/Universal 476 3318
(67 Min., 12/2007) 1 CD

Selbst Thomas Zehetmair vermag uns nicht dazu zu bewegen, die 24 Capricen in einem Rutsch zu hören. Mancher Zauber wirkt halt nur, wenn er schnell wieder verfliegen darf, und so wie etwa die Idee eines einstündigen Feuerwerks, so schösse und schießt die einer etwa gleichlangen Gesamtaufführung des berühmten Zyklus doch weit übers Ziel hinaus: Wer will so lange schon unentwegt staunen müssen? Doch Zehetmairs neue, zweite Einspielung der Capricen lässt sich ja entgegen den Empfehlungen des Geigers nach Belieben portionieren, und wer das rechte Maß für sich gefunden hat, der wird seine vorab vielleicht eher abschätzige Meinung über das Werk womöglich revidieren. Zehetmair bringt es zurück zu seinem Ursprung, und entspringen tut es nicht der Komposition, sondern der Improvisation, der wahren oder zumindest perfekt inszenierten Magie des Augenblicks. So steht hier, trotz fulminanter Instrumentaltechnik, nicht Zurschaustellung von Leistung im Vordergrund – Zehetmair nutzt die unerhörte Aufgabenstellung für ein großes instrumentales Theater, das sein Publikum mit Suggestion und Dramatik in ihren Bann schlägt. Der Held jubelt und droht, haucht und seufzt, er stößt sich, wenn es der Moment erlaubt, ab vom strengen Text (etwa in den gleißenden Oktavierungen der Nummer 9) und wird ihm in der freien Rezitation doch nicht wirklich untreu. Ganz im Gegenteil: Könnten wir zurück in Paganinis Zeit, wir würden uns nicht wundern, den Italiener so spielen zu hören wie hier seinen deutschen Kollegen.

Raoul Mörchen, 18.09.2009



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