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Hollotrio

Klemens Pliem

Pao Records Pao 10540
(43 Min.) 1 CD

Hand aufs Herz, für die Jazzszene reklamieren wir Bundesrepublikaner bei aller zeitgeistigen Hauptstadtschwärmerei stolz föderale Vielfalt, doch wenn es um Österreich geht, fällt den meisten von uns außer Wien mit seinem Musiker-Pool aus dem Vienna Art Orchestra nicht viel anderes ein. Das könnte sich bald ändern, denn aus der Steiermark kommt mit Klemens Pliem ein Saxofonist, der ganz unverkrampft und bodenständig Musik der akustischen Art macht. Das klingt im Trio mit dem souveränen Kontrabassisten Wolfram Derschmidt und dem famosen Schlagzeuger Klemens Marktl erfreulich nach dem Third Kind of Blue Trio, mit dem der Ex-Jack-DeJohnette-Sideman John Purcell zeigte, dass knackige Beats und intelligente Melodik kein Widerspruch sein müssen und dass jugendliche Vitalität nicht unbedingt der Elektrifizierung bedarf. Auf "Hollotrio" wird dieser Angang europäisch-steirisch unterfüttert und macht mächtig Laune – und John Purcell höchstselbst zollt dem Unternehmen in einem Geleitwort seine Anerkennung.       
Ist "Hollotrio" quasi amerikanischer Jazz mit steirischem Akzent, so präsentiert das andere Klemens-Pliem-Projekt, die "Small Metal Hornets", steirische Musik mit amerikanischem Akzent. Pliem spielt da mit dem Kornettisten, Flügelhornisten und Euphonium-Bläser Christoph Wundrak und dem Bassklarinettisten sowie Bariton- und Sopransaxofonisten Joe Harpf witzig ausgebufft vertrackte Blasmusik, und Itchy Fingers inspirierte Arrangements. Der amerikanische Akzent bürstet sie mit krausem Ergebnis erheblich gegen den Strich. Auf "Fusionierter Zwiefacher" (Extraplatte EX 682-2, 53 Min., aufgenommen 9 u. 11/2006) bekommt diese Urständ feiernde Musik auf der Hälfte der Titel noch einen hippen Hau durch den Leipziger Perkussionisten Wolfram Dix als Gast. Eine Nummer darf der auf der elektronischen Wavedrum sogar alleine gestalten. Doch auch das passt in das Programm der Vergnüglichkeit durch Präzision.

Thomas Fitterling, 01.01.1970



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