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Edvard Grieg, Frédéric Chopin

Klavierkonzerte

Nikolai Tokarev, Luzerner Sinfonieorchester, Olari Elts

Sony Classical 88697 31346-2
(60 Min., 3/2008) 1 CD

Er ist nicht der Mann der überschäumenden Geste. Wo namhafte Ahnherren seines Faches mit viel Rubato und gedehnten Vorhaltsakkorden in Griegs Klavierkonzert pathosgeschwängerte Ausrufungszeichen setzen, bleibt Nicolai Tokarev eher nüchtern, sachlich. Gleichwohl: Der 26-jährige Moskauer Shootingstar kann durchaus auf den Tasten singen, mehr noch – wie er sich gerade in kleinste Phrasen verliebt, mitunter darin verliert, das verleiht dem Allbekannten, um das Paradox zu bemühen, aufregend nachdenkliche, intime Konnotation. Wobei diese Nachdenklichkeit nie, auch nicht im Des-Dur-Adagio, in tiefsinnige Depressionen abrutscht, sondern stets in helles Licht getaucht wird. Das gilt erst recht für den changierenden Finalsatz, der selten so arabeskenhaft, mal kobold-huschend, mal versponnen spielend (in jedem Falle unpathetischer) angegangen wurde wie in dieser Luzerner Liveaufnahme. Überhaupt war der Wille zum schlanken, luziden Klang bei zügigen Tempi das Hauptmovens der Neueinspielung der beiden Jungstars: Die kammermusikalisch aufspielenden Luzerner Sinfoniker haben daran nämlich erheblichen Anteil. Mancher mag bei ihnen sämigen Streicherschmelz oder sonore Bläserteppiche vermissen. Aber Olari Elts versteht seine Truppe eben nicht als gefälliges Beiwerk für glamouröse Virtuosen, sondern als hellhörigen Partner auf Augenhöhe. Was bei Grieg für eine überraschende Neubewertung sorgt, das funktioniert bei Chopins f-Moll-Opus leider nur bedingt. Weniger, weil hier das Orchester bekanntlich in der Tat über weite Strecken nur begleitet, sondern vor allem, weil Tokarev sich nicht recht mit der ihm zugewiesenen Rolle der virtuosen Primadonna anfreunden mag. So verschenkt er im Maestoso-Eröffnungssatz allzu beiläufig manche hinreißend theatralische oder sehnsuchtsvolle Wendung. Auch dem Allegro vivace nimmt die unprätentiöse Gangart des Russen manches von seinem bravourösen Glanz und Witz, zumal bei diesem horrenden Tempo sogar Tokarevs famoses Virtuosenkönnen an Grenzen stößt. Da wäre weniger (Tempo) mehr (Ausdruck) gewesen. So wie im Larghetto, wo sich betörend schillernde Empfindungswelten auftun.

Christoph Braun, 14.08.2009



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