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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Furtwängler live in Berlin. Die kompletten RIAS-Aufnahmen

Berliner Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler

Audite/Edel 1021403ADT
(859 Min., 1947-54) 12 CDs

Es ist eine Sensation: Wilhelm Furtwänglers sämtliche vom RIAS Berlin gesendete und dokumentierte Konzerte (1947-54) mit den Berliner Philharmonikern erstmals zusammen in einer Box – und erstmals durchweg direkt von den Originalbändern (und nicht auf Basis mitgeschnittener Rundfunkübertragungen) produziert. Die ganze Sache ist von vorn bis hinten ein Wunder: Dass der schwer belastete Furtwängler überhaupt für den RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) produzieren durfte, erstaunt ebenso wie etwa die Tatsache, dass Yehudi Menuhin schon 1947 für einen Auftritt mit Furtwängler (Beethovens Violinkonzert) zur Verfügung stand. Ein Glücksfall ist auch, dass die Bänder überhaupt so zahlreich – es sind nur geringe Verluste zu beklagen – erhalten geblieben sind, denn man produzierte damals nicht für die Ewigkeit, sondern für den alltäglichen Sendebedarf – und der Mangel an Bandmaterial führte zu täglichen Löschaktionen.
Nun haben wir also diese zwölf CDs mit Mitschnitten aus zwölf Konzerten, mit großer Sorgfalt technisch überarbeitet und mit kompetenten Beihefttexten liebevoll ediert. Die musikalische Reise kann beginnen: Einiges von Beethoven gibt es zu erleben (je zweimal die "Dritte", die "Fünfte" und die "Sechste"), außerdem eine mitreißende Darbietung von Bruckners "Achter", zudem etwas Brahms (seine "Dritte" sogar in zwei Versionen), daneben Wagner, Mendelssohn, auch ein wenig Zeitgenössisches: Wolfgang Fortners Violinkonzert etwa mit dem heute fast vergessenen, brillanten Gerhard Taschner, einst Konzertmeister der Berliner. Wo soll man anfangen, die außerordentlichen Qualitäten dieser Aufnahmen zu beschreiben? Genannt seien hier nur die stupende Vielschichtigkeit des Klangbildes, die orkanartige Kraftentfaltung in den Steigerungspassagen sinfonischer Werke, die traumwandlerische Sicherheit, mit der Furtwängler sein Orchester konzentriert und detailverliebt durch die Partituren führt und dadurch die Musik vor dem Hörer zu einem großen, ungeheuer farbenreichen Panorama aufblättert. Diese Box ist ein "Muss" für jeden, der sich durch große Orchesterkultur begeistern lässt. Etwas versteckt wartet am Ende der Box übrigens noch eine Bonus-CD: Werner Egk und seine Studenten interviewen Wilhelm Furtwängler 1951 in der Berliner Musikhochschule.

Michael Wersin, 07.08.2009



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