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Johannes Brahms

Sämtliche Klaviertrios

Trio Wanderer

harmonia mundi HMC 901915.16
(125 Min., 2005)

Seit fast 20 Jahren widmet sich das Trio Wanderer vor allem der deutsch-österreichischen Romantik; der Name des Trios versteht sich als Hommage an Franz Schubert. Da die drei Franzosen vor allem in ihrer Heimat konzertieren, hat sich ihr Ruf erst seit dem Wechsel zu harmonia mundi weiter herumgesprochen. Obwohl sie schon 1988 Gewinner des ARD-Wettbewerbs in München waren.
Mit den drei Brahmstrios und dem Klavierquartett (mit Christophe Gaugué, Viola) gelingt den Wanderern die süffigste, französisch inspirierteste, freilich im reiferen c-Moll-Trio ein wenig zu elegant-umstandslose Brahmsdeutung seit vielen Jahren. Die Kantilenen haben Charme, die Organik wirkt ungezwungen, fast heiter. Selten klang Brahms so unvergrübelt diesseitsfreudig wie hier. Das geht im frühen Trio op. 8 und noch in op. 87 herrlich auf. Beim Trio Nr. 3 op. 101 vermisst man dann aber doch einige Skrupel. Etwas mehr leidenschaftliches Hadern und Problematisieren wäre hier wünschenswert.
Dennoch: Wer mit den Aufnahmen des eruptiven Beaux Arts Trio seine Schwierigkeiten hat, wem das Suk Trio zu folkloristisch ist und wem die Formation Katchen/Starker/Suk zu schwerblütig erscheint, der findet hier die - neben dem Trio Fontenay - beste Aufnahme dieser Stücke. Eine sehr spezifische Alternative, die zeigt, welche lustvollen Interpretationsspielräume scheinbar ausgedeutete Stücke noch erlauben. Und die dadurch glücklich macht.

Robert Fraunholzer, 11.08.2006



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