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Watching The Waves

Tom van der Geld

Rodenstein Records/Our Distribution ROD35
(56 Min., 8/2008) 1 CD

Einst galt der Vibrafonist Tom van der Geld als der Gary Burton der poetischen Avantgarde. Mit seiner Gruppe Children at Play kam er in den Siebzigerjahren nach Europa und nahm ein legendäres ECM-Album auf. Während sich die anderen Gruppenmitglieder erfolgreich auf dem alten Kontinent etablieren konnten, zwangen Probleme mit den Handgelenken Tom van der Geld jahrzehntelang zur Abstinenz vom Instrument. Er hatte versucht, eine neue, bewegungsökonomische Schlagtechnik zu entwickeln und musste dafür mit ungeheuren Schmerzen und zahlreichen Operationen bezahlen. Jetzt meldet er sich genesen und mit exquisiter Technik zurück. Solo und streng akustisch hat er neun besonders harmonisch herausfordernde Standards eingespielt, zu denen auch die Miles-Davis-Komposition "Circle" und John Lewis' "Skating in Central Park" gehören. Besonders Letztere ist von besonderem Reiz, assoziiert man sie doch mit Milt Jacksons nahezu barockem Vibrafonspiel im Modern Jazz Quartet. Van der Geld musiziert im Gegensatz zu Jackson völlig schnörkellos, fast spröde, die harmonischen Facetten explizit im Sinne Bill-Evans'schen Klavierspiels auslotend. Lässt man sich von dieser vermeintlichen Distanziertheit nicht verstören und gibt man dieser Musik ihre angemessene ruhige Hörzeit, so wird sie zum tiefsinnig schönen Hörerlebnis.

Thomas Fitterling, 31.07.2009



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