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Richard Wagner

Parsifal

Martha Mödl, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger, Orchester der Pariser Nationaloper, Ferdinand Leitner

Hänssler Profil/Naxos PH09009
(239 Min., 3/1954) 4 CDs

Ob auch der junge Pierre Boulez beim "Parsifal"-Gastspiel der Stuttgarter Oper im März 1954 im Publikum des Palais Garnier saß? Möglich wär’s schon, denn die zügigen Tempi, die Ferdinand Leitner hier mit dem Pariser Opernorchester anschlägt, sind gar nicht so weit von denen entfernt, mit denen Boulez später in Bayreuth Wagners Bühnenweihfestspiel Beine machen sollte. Ein frischer, theatralischer Zugriff prägt diesen Mitschnitt – "Parsifal" als Musikdrama, bei dem Ausdruck wichtiger ist als feierlicher Schönklang. Dies gilt auch für die Sänger – fast hat man manchmal den Eindruck, einem Hörspiel beizuwohnen, so textdeutlich und markant wird hier artikuliert. Ein charakterstarkes Ensemble hatten die Schwaben nach Paris geschickt: Gustav Neidlinger, damals Alberich vom Dienst, verleiht hier dem Amfortas hadernde Kantigkeit und Martha Mödl gibt eine Kundry, die zwischen Triebhaftigkeit und Erlösungssehnsucht schier zerrissen wird. Dass dieser "Parsifal" natürlich auch ein (recht gut konserviertes) Dokument seiner Zeit ist, macht sich nur selten störend bemerkbar: etwa im weinerlichen Ton, den Wolfgang Windgassen manchmal anschlägt, in Otto von Rohrs etwas großväterlich dröhnendem Gurnemanz oder auch bei den mäßig souveränen Pariser Blechbläsern. Aber sie wussten eigentlich schon recht gut, wie man Wagner macht, damals.

Jörg Königsdorf, 24.07.2009



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