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Eugène Ysaÿe

Werke für Violine und Klavier

Sandrine Cantoreggi, Bruno Canino

Turtle Records/SunnyMoon TRSA 15
(66 Min., 9/2002) 1 CD

Der 150. Geburtstag Eugène Ysaÿes im vergangenen Jahr hat seinem schmalen kompositorischen Schaffen wieder etwas Auftrieb gegeben. Das Interesse entzündete sich wie nicht anders zu erwarten in erster Linie am späten Zyklus der sechs Solosonaten, die in ihrer formalen wie klanglichen Originalität weit über das meiste hinaus gehen, was der große belgische Geiger sonst an Musik aufs Notenblatt brachte: fast ausnahmslos Salonnummern für den fahrenden Virtuosen, der – obwohl für die Seriosität seiner Programme berühmt – am Ende eines Abends sich nicht verkneifen konnte, auch den hintersten Reihen noch einmal unmissverständlich zu demonstrieren, wo der Hammer hängt. Dass er als Interpret selbst aus Käse noch Gold machen konnte, daran lassen die wenigen Aufnahmen, die Ysaÿe vor fast einem Jahrhundert machte, keinen Zweifel. Solche Metamorphose allerdings gelingt nur den wenigsten, und so steht leider auch die luxemburgische Geigerin Sandrine Cantoreggi bei ihrem Ysaÿe-Recital mit wenig mehr da, als mit einer Reihe von mal eher sportlich, mal eher sentimental gestimmten Genrestückchen, die nicht so recht glänzen wollen. Auch der große Klavierbegleiter Bruno Canino vermag ihr nicht genug Rückendeckung zu geben, um sich wie einst Ysaÿe (oder später Kreisler oder Heifetz oder heute etwa Vengerov) mit einem mitleidigen Lächeln vom banalen Notentext abzustoßen und sich selbst und die Kunst des Geigenspiels als eigentliche Sensation zu feiern. Die manuellen Voraussetzungen dazu hätte sie wohl, denn egal, was Ysaÿe verlangt, Cantoreggi kommt damit ganz gut zurecht. Allein es fehlt der Instinkt für die ganz große Sause.

Raoul Mörchen, 24.07.2009



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