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Ferdinand Ries

Klavierkonzert op. 132, "Farewell To England", Variationen über "Rule Britannia"

Christopher Hinterhuber, Royal Philharmonic Orchestra, Uwe Grodd

Naxos 8.57 0440
(66 Min., 10/2007) 1 CD

Ferdinand Ries abzutun, ist leicht. Ein bisschen klingt es nach Beethoven, ohne Beethoven zu sein. Ein bisschen nach Mendelssohn, aber da fehlt doch etwas. Im Charakter wirkt sein hier eingespieltes Klavierkonzert stellenweise unentschlossen, ein fröhlich-unbekümmerter Klaviereinsatz wird flankiert von Orchesterpassagen, die eine Tragik andeuten, die auf der Bühne des Konzertsaals verbleibt und dem Zuhörer eine bequeme Fernsicht auf mögliche seelische Abgründe ermöglicht.
Lassen wir uns ein. Das ist nicht Beethoven, sondern Ries. Ein Biedermeier-Mann, gewiss ein gediegener Handwerker, doch auch ein Genremaler, dessen musikalische Szenen vielleicht am besten im Larghetto, dem zweiten Satz dieses Konzerts, zur Ausformung kommen. Hier scheint der Gedanke logischer, schlüssiger, inspirierter. Es ist eine Szenerie der Herren mit Spazierstock und Zylinder, der Damen mit Schal und Schirmchen als Vordergrund einer pittoresken Vedute.
Von einem längeren Englandaufenthalt des seinerzeit hochgeschätzten Ries' zeugen zwei musikalische Kuriosa: Die "Grand Variations on 'Rule Britannia'" und "Introduction et Variations Brillantes" über ein englisch-amerikanisches Volkslied, vergnügliche Piècen, die auch heute nichts von ihrem mitreißenden Charakter verloren haben.
Der österreichische Pianist Christopher Hinterhuber legt in seinen Solopart viel Engagement. Es gelingt ihm in vorbildlicher Weise, Virtuosität und Ausdruck zu einem stimmigen Ganzen zu formen – Letzteres in wohlgeformtem Zusammenspiel wie aus einem Guss mit seinem Orchester, dem Royal Liverpool Philharmonic unter Uwe Grodd. So entsteht ein unbedingt hörenswertes Zeitgemälde.

Matthias Reisner, 17.07.2009



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