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Georg Joseph Vogler

Sinfonien, Ouvertüren, Ballets

London Mozart Players, Matthias Bamert

Chandos/Codaex CHAN10504
(75 Min., 1/2008) 1 CD

Zeitgenossen wie Mozart und Joseph Martin Kraus nannten ihn einen "musikalischen Spaßmacher" und "Windbeutel", seine Schüler Carl Maria von Weber und Giacomo Meyerbeer hingegen verehrten ihn sehr. Gleichgültig hat Abbé Georg Joseph Vogler, den ein abenteuerliches Reiseleben vom heimatlichen Würzburg bis nach Schweden und sogar nach Nordafrika führte, wohl keinen gelassen. Während Vogler als reisender Orgelimprovisator sicher nicht vor billigen Effekten zurückschreckte und durch sein intrigantes Verhalten viele Kollegen gegen sich aufbrachte, hat er das europäische Musikleben als Musiktheoretiker, Konservatoriumsgründer und Pädagoge nachhaltig positiv geprägt. In den hier zum ersten Mal eingespielten Sinfonien, Ouvertüren und Ballettmusiken erscheint Voglers janusköpfige Natur gebändigt, aber nicht unterdrückt: Auf der Grundlage sauberen Handwerks und der Stilistik der Mannheimer Schule, auf der auch Mozart aufbaute, wagt Vogler immer wieder Ausflüge in die Frühromantik, wobei er sich weniger für formale Brüche als für ungewöhnliche harmonische Farben interessiert. Auch wenn seine ausgedehnteren Werke wie die d-Moll-Sinfonie und die Schauspielouvertüre zu "Hamlet" nur episodenweise interessante Ansätze zur Schilderung innerer Dramen bieten, zeigt sich der Komponist in den kurzen Tanzsätzen seiner Ballette von seiner souveränsten Seite: Die frische Melodik, die phantasievolle Instrumentation und die tanzmeisterlich genau platzierten kleinen Stimmungsumschwünge erfreuen, ohne den Wunsch nach Verbesserung oder Vertiefung zu wecken. Die London Mozart Players machen den kleinen Mangel an Transparenz, der durch das moderne Instrumentarium bedingt ist, durch ihren beweglichen feinsamtenen Ton und ihre sehr elegante Phrasierung mehr als wett.

Carsten Niemann, 10.07.2009



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