Rossinis Rechnung, mit seinem "Turco in Italia" den Erfolg seiner "Italiana in Algeri" wiederholen zu können, ist bis heute nicht wirklich aufgegangen: Allzu konstruiert wirkt der Handlungsfaden, den die 1816 uraufgeführte Komödie spinnt, und im Direktvergleich mit der couragierten Italienerin verkörpert auch die Hauptperson des "Turco", die kapriziöse Fiorilla, wenig mehr als herkömmliche Rollenklischees. Die 2007 für das Rossini-Festival in Pesaro entstandene Inszenierung von Guido De Monticelli versucht auch gar nicht erst, dem Stück einen tieferen Sinn abzuringen, sondern belässt es in der Tradition italienischer Boulevardopern. Das wirkt zwar oft ein bisschen plüschig, funktioniert aber, weil die (ausschließlich italienischen) Darsteller ihre Typen aus dem Effeff beherrschen und weil Antonello Allemandi am Dirigentenpult ein gutes Gespür für Rossinis Timing hat. Herausragend ist an dieser Aufnahme allerdings die Primadonna: Mit der "Turco"-Produktion katapultierte sich die erst 22-jährige Alessandra Maragianni auf Anhieb in die Rossini-Spitzenklasse. Maragianni produziert nicht nur makellose Koloraturen, sondern erfüllt sie auch mit jenem Sex-Appeal, um den sich das ganze Stück letztlich dreht – die Launenhaftigkeit Fiorillas rutscht bei ihr nie ins Zickenhafte ab, sondern besitzt Witz, Charme und eine hinreißende Unbekümmertheit, der man einfach alles verzeiht.

Jörg Königsdorf, 03.07.2009



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