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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Robert Schumann

Lieder

Marie-Nicole Lemieux, Daniel Blumenthal

naïve/Indigo 930232
(64 Min.) 1 CD

Mit ihrem 2005 erschienenen Recital-Debüt etablierte sich die Franko-Kanadierin Marie-Nicole Lemieux auf Anhieb als eine der interessantesten Liedinterpretinnen der jungen Sängergeneration: Auf "L’heure exquise" zeigte die Gewinnerin des Brüsseler Reine-Elisabeth-Wettbewerbs, dass sie nicht nur eine außergewöhnlich schöne Altstimme besitzt, sondern sie auch mit Stilgefühl und Geschmack einsetzen kann. Auch ihr Schumann-Programm besitzt – bei akzentfreier Aussprache und ausgezeichneter Textverständlichkeit diese Qualitäten: Ihre "Widmung" hat den vollmundigen Klang eines überfließenden Herzens, und im Liederkreis op. 39 findet sie zu einem poetischen und nuancenreichen Erzählton. So verleiht Lemieux dem Schluss der "Mondnacht" die nötige Bitterkeit, die das Idyll zersetzt, in "Auf einer Burg" trifft sie guten versonnen skeptischen Märchenton.
Schade, dass ausgerechnet das zentrale Werk des Programms deutlich abfällt: In "Frauenliebe und –leben" agieren Lemieux und ihr ansonsten prägnant artikulierender Pianist Daniel Blumenthal zu phlegmatisch, um mit den illustren Vergleichsaufnahmen mithalten zu können: Die schwärmerische Hingabe der Anfangslieder beispielsweise hatte zuletzt Bernarda Fink eindeutig besser getroffen. "Er, der Herrlichste von allen" gerät Lemieux schlichtweg zu majestätisch, während der schneidende Schmerzenston, zu dem Fink im Schlussstück "Nun hast du mir den ersten Schmerz getan" findet, deutlich mehr unter die Haut geht als Lemieux' elegisch ersterbende Variante.

Jörg Königsdorf, 26.06.2009



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