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Giuseppe Martucci, Johannes Brahms, Theodor Kirchner

Sonate für Cello und Klavier op. 52, Sechs Lieder ohne Worte, Acht Stücke für Cello und Klavier op. 79

Johannes Moser, Paul Rivinius

Hänssler Classic/Naxos 93.208
(73 Min., 1/2008) 1 CD

Auf der dritten Tranche der kleinen Reihe "Brahms und seine Zeitgenossen" geht Johannes Moser schon ein bisschen auf dem Zahnfleisch: Außer der Martucci-Sonate hat er nur noch Klein-Klein anzubieten, von Brahms sogar nur noch adaptierte Lieder, in bester Mischa-Maisky-Manier als "Lieder ohne Worte" vorgetragen – macht ja nix, die Worte sind weniger wichtig als der blühende Celloton. Es gibt halt von Brahms nur die zwei Cellosonaten, und die sind schon auf Vol. I und II verbraten. Falls noch ein Vol. IV geplant wäre, könnte man ja Klavier-Intermezzi des Meisters arrangieren oder die Rhapsodien? Von den Paganini-Variationen wäre eher abzuraten, auch das "Deutsche Requiem" eignet sich nicht. Jedenfalls, liest man das (ansonsten kluge und informative) Gespräch zwischen Moser und Richard Eckstein im Booklet, das überschrieben ist "Leidenschaftliche Brahms-Apostel", dann sind damit natürlich Martucci und Kirchner gemeint, es könnten aber auch die beiden Sprechenden sein – sowie der wieder mal vorzügliche Pianist Paul Rivinius.
Wirklich überzeugen kann auf der Veröffentlichung nur die Sonate von Martucci, sie wird auch von beiden Duopartnern sehr souverän gespielt. Giuseppe Martucci, der seine letzten Lebensjahre Konservatoriumsdirektor in Neapel war, wurde 23 Jahre nach Brahms geboren und überlebte ihn dann aber nur um zwölfe. Als achtjähriges Klavier-"Wunderkind" trat er bereits auf, später tourte er gerne mit dem Cellisten Alfredo Piatti. Auch die italienische Erstaufführung von Richard Wagners "Tristan und Isolde" geht aufs Konto diesmal des Dirigenten Martucci. Er war Wagnerianer, komponierte aber eher wie Brahms – mit einem späterromantischen Tonfall allerdings. Theodor Kirchners (der nun wirklich ein Brahmsfreund war) Acht Stücke für Cello und Klavier sind Charakterpiècen nicht weit entfernt vom Salon – durchaus angenehm zu hören, ansonsten aber nicht von Gewicht. Die von Norbert Salter arrangierten Brahmslieder, je nun: Wenn man weiß, wie sorgfältig der Komponist seine Texte auswählte, kann man das eigentlich so nicht aufführen. Ein Schubert, auch wenn er Goethe und Schiller vertonte, war da oft weniger wählerisch. Aber egal, hervorragend gespielt ist das allemal, und das ist doch die Hauptsache?

Thomas Rübenacker, 19.06.2009



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