Responsive image
Sergei Prokofjew

Klavierkonzerte Nr. 2 & 3

Evgeny Kissin, Philharmonia Orchestra, Vladimir Ashkenazy

EMI 264 536-2
(61 Min., 1/2008) 1 CD

Mit Prokofjews drittem Klavierkonzert verbindet Evgeny Kissin eine Herzensbeziehung. Schon als 13-Jähriger spielte er das Stück mit den Moskauer Sinfonikern und der jetzt vorliegende Londoner Mitschnitt vom Januar vergangenen Jahres ist bereits seine dritte Aufnahme. Von der gradlinigen Spielfreude der frühen, jetzt bei Brilliant Classics erhältlichen Aufnahme hat sich Kissin inzwischen Äonen entfernt: Ähnlich wie Mikhail Pletnev (Deutsche Grammophon) geht es ihm mittlerweile mehr darum, die lyrischen Qualitäten Prokofjews mit relativ maßvollen Tempi herauszustellen und den spielerischen Grundton durch leichten Anschlag und Herauskitzeln von Nebenstimmen zu betonen. Das sorgt immer wieder für verblüffende Einzelerkenntnisse, allerdings um den Preis, dass die Spannung zwischendurch etwas durchhängt – gerade das Finale hätte einen strafferen Spannungsbogen benötigt, wie ihn Prokofjew selbst in seiner 1932 entstandenen Einspielung oder auch William Kapell in seiner Referenzaufnahme spannten.
Der zurückgenommene Ansatz, den Vladimir Ashkenazy am Pult und die weichzeichnende Tontechnik noch verstärken, bekommt dem zweiten Klavierkonzert insgesamt besser: Vor allem der zögerlich versonnene Kopfsatz kommt Kissins tendenziell vergrübeltem Temperament entgegen, für die anarchische Radikalität des Finales – Allegro tempestoso- fehlt es ihm allerdings an Biss. Wer die Welt in Flammen setzen will, darf besser nicht zuviel nachdenken.

Jörg Königsdorf, 19.06.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top