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Sublim III

Angelika Niescier

Enja/Edel 0095332EJM
(67 Min., 1/2008) 1 CD

Bei vielen Platten genügt es, die ersten zwei, drei Takte zu hören – und man weiß Bescheid. So ist es auch bei Angelika Niesciers "Sublim III". Ein motorisches Bassmotiv, souverän gegenläufige Bewegungen des Schlagzeugs, Saxofoneinsatz, Unisono von Saxofon und Schlagzeug, Break, Unisono von Saxofon und Klavier – das dauert gerade 40 Sekunden und stellt klar: Die in Köln wohnende Saxofonistin kann komponieren, spannende Klangprozesse organisieren und hat eigene Vorstellungen jenseits der Post-Coltrane-Klischees. Diese Einleitung verspricht eine CD voll erstklassiger, weit über den Durchschnitt hinausragender Musik – und genau dies halten die nächsten 67 Minuten. Die Rhythmen der Band bewegen sich zwischen Orient, Afrika, Swing und Samba – aber nicht nacheinander, sondern großartig zu einem pulsierenden Geflecht ineinander verschachtelt. Oder, anders gesagt: Die Band lässt lokale Grenzen hinter sich und fühlt sich dort wohl, wo die Grenzenlosigkeit in eigene, definierte Formen mündet.
Der Bassist Sebastian Räther, der Pianist Florian Weber und der Schlagzeuger Christoph Hillmann bilden mit der Bandleaderin einen rhythmisch-klanglichen Organismus, in dem Tausende von Kleinbewegungen die Hörer wie ein weitmaschiges Netz umfangen. Und Niesciers Ton! In ihm ist so ziemlich alles lebendig, was die Saxofongeschichte hergibt: dichte Cluster, süffige Melodien, gigantische Sprünge, rasende Glissandi, funkelnde Obertöne, gepresste Enge, raue Schreie und zartes Wispern. Sie lässt jedem ihrer Mitmusiker Platz, und doch klingt die Band am schönsten, wenn sie sich wieder ins – zweifelsohne auch in den Triopassagen spannende Gefüge einreiht. In einer zweiteiligen – durch andere Stücke unterbrochenen – "Oud Suite" ergänzt Mehdi Haddab am orientalischen Saiteninstrument die Formation zum nicht minder intensiv musizierenden Quintett.

Werner Stiefele, 19.06.2009



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