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Hector Berlioz

Vokalwerke mit Orchester

Laura Aikin, Lani Poulson, SWR Vokalensemble Stuttgart, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Sylvain Cambreling

Hänssler Classic/Naxos 93.210
(61 Min., 3/2003 u. 12/2007) 1 CD

So sind sie, die Franzosen! Von "entzückendsten Halluzinationen" und "wollüstig muselmanischer Glückseligkeit" lallten Pariser Kritiker, als sie 1840 Berlioz‘ "Sara la baigneuse" hörten, jene Ballade von der badenden respektive nackt schaukelnden und gedankenverloren sich im Wasser spiegelnden Sara, deren Reize Victor Hugo in den "Orientales" besungen hatte. Und die Deutschen? In Leipzig war das gesittete Bürgertum mitsamt ihren prüden Beckmessern empört ob der französisch-iberischen "frivolité". Sylvain Cambreling hingegen macht uns alle zu Frankophilen. Diese vokal-orchestralen Trouvaillen zeugen von unvergleichlichem Klangfarbenraffinement und einer poetischen Sensibilität, die die literarischen Vorlagen kongenial in Töne übersetzen. Berlioz bewegte sich stilsicher im Genre des französischen Hispanismus – als komponierender Frauenkenner, wie jener "Sara" und – ebenfalls nach Hugo – der wehmütig verträumten "Gefangenen" oder auch der im Kastagnetten-Boléro-Rhythmus schwärmenden "Zaïde" abzulauschen ist. Spürt man in diesen Balladen bzw. Romanzen für (zwei) Sopran(e) und Orchester aus op. 2 und 11-13 förmlich das südländische Flair – wobei man allerdings dem vibratoseligen, in den Alt-Registern von "La captive" dünnen Sopran Laura Aikins nicht unbedingt huldigen muss –, so glaubt man sich bei den drei nach Ovid und Shakespeare konzipierten chorischen "Tristia"-Abschnitten op. 18 wie auch dem "Chant sacré" mitten auf dem Styx bzw. im Totenreich der "Grande messe des morts", wo es mitunter monströs-martialisch zugeht (Musketensalven!).
Was die Vokal- und Orchesterabteilung des SWR hier (wie auch in den beiden eher skurril anmutenden Zugaben "Hélène" und dem klavierbegleiteten "Ballett der Schatten") zuwege bringt, ist technisch makellos und atmosphärisch überwältigend dicht – mustergültig. Kein Wunder, möchte man sagen, bei diesem Berlioz-versierten Dirigenten.

Christoph Braun, 05.06.2009



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