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Johannes Brahms

Klarinetten-Trio, Klarinetten-Sonaten

Karl-Heinz Steffens, Michal Friedlander, Ludwig Quandt

Tudor/Naxos 7115
(70 Min., 8/2002, 1/2004) 1 CD

Das ist die Szene: ein Cello, es singt; eine Klarinette, sie singt; ein Klavier, auch es singt. Alle singen gemeinsam. Und Wehmut schwingt mit in fast jeder Melodie, es ist die Wehmut des Alters, die Wehmut der Rückschau: der Erinnerung. Keiner konnte das so gut wie Brahms, der Melancholiker, selbst Schubert nicht. Mit Brahms erklimmt die Romantik ihren wohl doch schon letzten Gipfel, er und nicht Mahler ist derjenige, der den Schwanengesang anstimmt, unter dem ewigen Motto: An die ferne Geliebte. Der feine Unterschied: Mahler besingt Welt als Wirklichkeit, Brahms besingt Welt als Möglichkeit. Insbesondere im Spätwerk, etwa ab op. 110, tut er dies in beinahe schmerzhaftem Ausmaße. Und er leiht seinen Schmerz vor allem einem Instrument: der Klarinette.
Die (biografischen) Gründe hierfür sind hinreichend bekannt. Eine persönliche Bekanntschaft, die in Freundschaft sich verwandelte. Für die Nachwelt bleibt es ein Glücksfall. Allein das A-Moll-Trio für Klarinette, Klavier und Klarinette ist himmlisch schön, weltenverrückend, weltentrückt. Karl-Heinz Steffens, Michal Friedlander und Ludwig Quandt sind die richtigen Interpreten, um dieses Werk in seinem gleichsam pastoral-schwebenden Zustand zu belassen. Eigentlich nie lassen sie den Gesang den harten Boden der Realität berühren, geschweige denn mit Füßen betreten, stetig halten sie die Balance des Bloß-nicht-zu-laut-und-nicht-zu-direkt; selbst in den knappen Aufwallungen des Finals bricht die Musik nicht aus, nicht weg. Es ist ja dieses durch und durch sublime Stück ein beinahe hingeflüstertes, oder auch: hingewehtes; jedenfalls ein von Schuberts Liedkunst angewehtes. Und so spielen die drei (anscheinend romantisch veranlagten) Künstler es auch. Ein bisschen schade, dass Ludwig Quandt bei den beiden Sonaten für Klarinette und Klavier, denen der Vorzug vor der anderen Paarung (Bratsche/Klavier) unbedingt zu machen ist, nicht mitwirken kann; sein Gesang ist zweifelsohne doch der schönste von allen. Aber auch ohne ihn bleibt der Seele Sang und Klang bestehen. Eine Aufnahme zum Dahinträumen. Ein leerer Raum, ein Sessel, ein Glas Rotwein, diese Musik: Das ist die Szene.

Jürgen Otten, 16.04.2005



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