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Harald Genzmer

Zum 100. Geburtstag

Diverse

Thorofon/Klassik Center CTH2553
(640 Min., 1966-2006) 10 CDs

Seinen 100. Geburtstag hat er nicht mehr miterleben dürfen, immerhin aber ist Harald Genzmer 98 geworden. Er hat die lange Zeit, die schon früh nicht mehr die seine war, ausgiebig genutzt: Bis in die letzten Lebensjahre schrieb der 1909 bei Bremen geborene Komponist seinen Werkkatalog unermüdlich Opus für Opus fort und hat dabei wohl jede erdenkliche Instrumental- und Vokalkombination mit Schul- und Konzertwerken bedacht. Allerdings zeichnete sich seit den Nachkriegsjahren schon überdeutlich ab, dass er mit der rasenden Entwicklung seines Metiers nicht mehr mithalten konnte. Oder wollte. Die Kluft zwischen dem Eigenen und dem Allgemeinen, gegen die sein Lehrer Paul Hindemith noch energisch – und zuweilen auch polemisch – anschrieb, schien sein gelehriger Schüler Genzmer einfach als gegeben hinzunehmen. So fällt es beim Durchstöbern der Jubiläumsbox schwer, dem Klangeindruck nach auch nur grob einzuschätzen, was wann entstanden ist: ob, wie das Trompetenkonzert, Ende der Neunzigerjahre, oder, wie das Flötenkonzert, bereits ein halbes Jahrhundert zuvor.
Genzmers Komponieren, hier in durchweg verlässlichen Aufnahmen dokumentiert, bewegt sich auf fest abgestecktem Terrain, wahrt die von Hindemith in den Dreißigerjahren definierten harmonischen, kontrapunktischen und rhythmischen Grenzen, hält fröhlich fest am hergebrachten Werkbegriff, beliefert maßgenau die bekannten Gattungen (abgesehen von der Oper) und müht sich, es weder den Hörern noch den Interpreten übermäßig schwer zu machen. Hindemith hat solches Tun noch umständlich mit der Theorie eines heiligen Handwerks zu rechtfertigen versucht, Genzmer hat einfach weiter komponiert. Diese Entscheidung gibt letztlich mehr zu denken, als die freundliche Musik, die sie zur Folge hatte.

Raoul Mörchen, 15.05.2009



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