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Johannes Brahms

Klarinettenquintett, Streichquartett op. 67

Francois Benda, Verdi Quartett

Hänssler Classic/Naxos 98.473
(75 Min., 4/2002, 5/2002) 1 CD

Unübertroffen, dieser späte Brahms. Unübertroffen in der Melange aus Lebensweisheit, Sanftmut und melodiöser Eingebung. Hinweg die Last der Sinfonien, alles nur noch Lust am Komponieren, an der eigenen Meisterschaft. Und an der Inspiration durch andere. Und von welchem Glück darf die Musikwelt, darf ein jeder versierte Klarinettist heute sprechen, dass Brahms die Bekanntschaft in Meiningen des Geigers der Hofkapelle und (autodidaktischen) Klarinettisten Richard Mühlfeld machte und daraufhin in einem relativ überschaubaren Zeitraum gleich mehrere Werke diesem Instrument gleichsam um den konisch geformten Hals hängte. Zunächst das Klarinettentrio in a-Moll op. 114, dann, prompt folgend, das H-Moll-Klarinettenquintett op. 115 und schließlich, nach der Serie der nicht minder beglückenden "späten" Klavierzyklen, die beiden Sonaten für Klarinette und Klavier op. 120 (alternierend für Bratsche, letztlich aber wohl doch in dieser Version klanglich dem Zauber des Klarinettentons unterlegen).
Das Klarinettenquintett zumal: ein Gesang der Dämmerung. Und ebenso durchwirkt Francois Benda, darin vom Verdi Quartett behutsamst begleitet, die vier Sätze des Werkes: "con sentimento", wie es die Vorschrift zum raschen dritten Satz suggeriert. Fast glaubt man, diese Interpretation würde sich in der milchigen Milde des Schönklangs verlieren. Doch wo kein Kampf komponiert, kein Aufruhr in Töne gesetzt, soll man ihn nicht fechten. Und Ausdrucksintensität, das zeigt diese Aufnahme, lässt sich immer auch ohne äußere Gebärde herstellen. Eine Qualität übrigens, die im anschließenden Streichquartett op. 67 in B-Dur (wurde es allein deswegen gewählt, weil es in der parallelen Dur-Tonart steht? Andere Gründe leuchten kaum ein) nicht ganz erreicht wird. Was vor allem klangliche Gründe hat: Zu grell in den Farben, zu scharf in der Tongebung sind häufig die beiden Violinen, zu sehr unterbelichtet agiert (wohlgemerkt: nur klanglich) die Viola, und zu wenig grundierend ist das Violoncello, um die für Brahms so entscheidende, weil von ihm mitkomponierte Balance zu halten. Zugegeben, es ist ein anderes Stück aus einer anderen Epoche. Doch in seiner Art ist es ebenso unübertroffen. Was man hier zu selten leider hört.

Jürgen Otten, 23.10.2004



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