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Henry Purcell

Fantasien

Fretwork

harmonia mundi HMU 907502
(50 Min.) 1 CD

Händels 250. und Haydns 200. Todestag – und zudem Mendelssohns 200. Geburtstag. Ob 2009 da noch Platz bleibt, um den 350. Geburtstag von Henry Purcell zu feiern, bleibt abzuwarten. Nötig hätte der Orpheus britannicus die vermehrte Aufmerksamkeit durchaus, haben es schließlich gerade mal seine Semioperas à la "Fairy Queen" und ein paar Songs aus dem Alte-Musik-Insiderzirkel herausgeschafft. Wenn nun eine umfassende Purcell-Renaissance endlich in Schwung kommen sollte, dann hat das englische Gambenensemble Fretwork mit seiner Gesamteinspielung (fast) aller "Fantazias" maßgeblichen Anteil daran gehabt.
Im Zentrum stehen die neun vierstimmigen Fantasien, die Purcell 1680 im Alter von gerade mal 20 Jahren komponiert hat. Der für die englische Instrumental- und Vokalmusik typische Semper-dolens-Ton, mit dem Purcell die hohe Kunst der polyfonen Konstruktion beseelte, findet sich auch in den drei- bis siebenstimmigen Fantasien wieder. Akademisch staubtrocken und fast leblos kann diese modellhafte Verschmelzung von Form und Geist geraten – was unlängst eine Einspielung des italienischen Ensembles Il Suonar Parlante um Gambist Vittorio Ghielmi deutlich machte. Die sechsköpfige Fretwork-Truppe ist da aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Die klanglichen und dynamischen Bewegungskontraste nimmt man ernst, ohne in marmorne Blässe zu verfallen. Das Stimmengewebe ist plastisch transparent und stellt gleichzeitig eine faszinierende Architektur von über- und nebeneinander gelegten Nerven- und Blutbahnen dar. Purcell brauchte schließlich keinen grellen Farbwechsel und kein rhythmisches Tosen, um menschlichen Regungen den wahren Puls zu fühlen. Und genau das machen auch die maximal sechs Musiker in ihren vernünftigen wie gleichermaßen anteilnehmenden Gesprächen.

Guido Fischer, 15.05.2009



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