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Antonio Vivaldi

The Four Seasons - Filmed At Magnificent Venetian Villas

I Solisti Veneti, Claudio Scimone

Arthaus Musik/Naxos107 025
(112 Min., 2003) 1 DVD

Es fängt bei der schlechten Tonqualität an und hört beim RAI-Konzept, das keines ist, auf. Will man bei Opernmitschnitten mitunter die Augen schließen, weil die Bühnenprotagonisten entweder nur blöd rumstehen dürfen oder dauerkopulieren müssen, so möchte man hier (fast) den Ton abdrehen. Das liegt nicht nur am "Jahreszeiten"-Hit, dem ein – sagen wir: zweijähriges – Aufführungsverbot gut täte. Das liegt auch am altgedienten Weichzeichner Scimone, der im Booklet und in seinem kundigen Vivaldi-Vortrag zwar von detaillierten Autografenstudien erzählt, jedoch nur seinen bewährten Soft-Vivaldi der Siebziger- und Achtzigerjahre abliefert, passend zum pastosen Filmsujet: schöne Villen, schöne Fresken, schöne Gärten, schönes Geigengedudel. Mitunter stockt man zwar bei ungewohnten Rubati und Verzierungen, plötzlichen Hetzjagden und ebenso unmotivierten "Innenschauen". Doch nichts davon erregt, im Gegenteil, wenn Primgeiger Lucio Degani mit Supervibrato am Tränensack vorbeiwabert, und die Truppe es auch noch im Koordinationsgebälk knirschen lässt, dann bleibt nur noch die Stummtaste (Die "nüchterner" auftretende "Sommer"- und "Herbst"-Solistin Chiara Parrini erwirbt sich da größere Verdienste).
Aber auch das federführende RAI-Konzept bietet genug Ärger: Dass im "Primavera" wohl Vögel zwitschern, Schmetterlinge hüpfen, zwei Fohlen auf dem Schlossrasen rumhoppeln und im "Inverno" die schneebedeckten Putten frösteln – das war zu erwarten (und passt in Berlusconis RAI-Horizont); warum aber beim "Sommer"-Gewitter die Kamera in den Gemäuern der Villa Forscari an den geigenden Frackträgern entlangschleicht, während sie im Adagio durch die Privatgemächer des Schlossherrn huscht, bleibt den tiefsinnigen RAI-Intuitionen vorbehalten. Ein wenig tröstet der beigegebene Film Elisabetta Sgarbis über die melancholische Herrlichkeit von elf, unter anderem von Andrea Palladio erbauten Renaissancevillen – aber auch nur mit Stummschaltung: Spätestens nach fünf Minuten möchte man der sequenzenverliebten Harfenspielerin den Hals umdrehen. Dann doch lieber gleich Rondo Veneziano.

Christoph Braun, 07.05.2009



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