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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzert Nr. 2 op. 18, Moments musicaux op. 16

Dejan Lazić, London Philharmonic Orchestra, Kirill Petrenko

Channel Classics/harmonia mundi CCS 26308
(64 Min., 5/2008) SACD

Hier stoßen zwei Welten aufeinander. Die eine ist die des ewig zu spät gekommenen Sergei Rachmaninow, des Nostalgikers und Schwärmers, des heimatlosen Melancholikers. Die andere Welt kann man als das neue Russland beschreiben: pragmatisch bis zum Machiavellismus, unsicher und dadurch brutal. Nach diesem Bild formen hier Pianist und Dirigent einen Rachmaninow, den man positiv als sachlich, modern, vom Staube zaristischer Plüschdekoration befreit beschreiben könnte. Doch das trifft eben nicht ganz die Sache, sprich die Komposition. Auch wenn Dejan Lazić und Kirill Petrenko ein bemerkenswert klares Klangbild zeichnen, bei dem Details gestochen scharf hervorscheinen: Die Geradlinigkeit ihres Metrums wirkt besonders im Adagio sostenuto zu unflexibel, die hervorgestoßenen Basstöne stören stampfend, wenn sie im ersten Satz das prachtvolle Auftreten des Hauptthemas unterstützen sollten. Der Dynamikumfang allerdings ist beachtlich aufgefächert und reicht von geflüsterten Pianotönen bis zum harschen Orchestertutti. Die Moments musicaux op. 16 geht Lazić ebenso unsentimental an, doch zeigt sich hier trotz seiner hohen Fähigkeit zur dynamischen Differenzierung auch eine gewisse Trockenheit.
Nur eine Ahnung mehr von Sensibilität und Exzentrizität hätte dieser technisch brillanten Liveaufnahme des Klavierkonzerts einen wesentlich höheren Repertoirewert gegeben. So ist sie eher etwas für den Hörer, der einen radikal modernisierten Rachmaninow sucht.

Matthias Reisner, 02.05.2009



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