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Johannes Brahms

Klavierkonzert Nr. 2, Balladen op. 10, Walzer op. 39, 2 Ungarische Tänze

Wilhelm Backhaus

Naxos 8.110766
(71 Min., 6/1939, 12/1932, 1/1936, 4/1933) 1 CD

Manche von den großen Namen aus der Klaviervergangenheit kann man sich heute eigentlich nur noch als ergraute Herren vorstellen, die altersweise ihr Programm dem Vinyl anvertrauten. Wilhelm Backhaus ist einer, von dem man frühere Aufnahmen aus der Schellack-Ära nur noch wenig kennt - sie wurden später in den Katalogen schnell durch klanglich bessere, vom Tonband übertragene LPs ersetzt. Die Firma Naxos und andere Herausgeber historischer Aufnahmen nutzen die Regelung, dass von Pressungen, die mindestens 50 Jahre alt sind und deren Komponisten mindestens 70 Jahre tot sind, beliebig viele, auch kommerzielle Kopien gezogen werden dürfen, und die Audio-Restauratoren holen mit ausgefeilten Computerprogrammen die letzte Schwingung aus den alten Rillen und filtern dabei Störgeräusche auf ein Minimum heraus.
Das Brahms-Programm, das auf dieser CD aus der Reihe "Naxos Historical" neu herausgegeben wird, ist durchaus für die eine oder andere musikalische Überraschung gut. Das zweite Klavierkonzert mit der Sächsischen Staatskapelle unter Karl Böhm ist von bemerkenswerter Strenge in Tempo und Rhythmus, enthält ein paar mehr Störgeräusche als die Hänssler-Edition derselben Aufnahme (Siehe Rezension), ist dafür klanglich in den Höhen etwas brillanter, was sich gerade im Streicherklang (Cellosolo im Andante!) bemerkbar macht.
Äußerst geradlinig spielte Backhaus 1932 auch die Balladen Op. 10, sehr modern und sachlich, fast bis zur Trockenheit, manchmal, wie in der zweiten Ballade, zu rasch und dadurch etwas flüchtig. Dabei hält er sich durchaus nicht immer an Brahms’ Tempovorschriften und baut im sich in der Dynamik grandios steigernden zweiten Teil der ersten Ballade ein nicht vorgesehenes Accellerando ein - durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn man andere Interpretationen kennt. Die 16 Walzer Op. 39 wie zwei "Ungarische Tänze" (Nr. 6 und 7) profitieren dagegen wunderbar von dieser Mischung aus Strenge im Rhythmus und Flexibilität im Tempo.

Matthias Reisner, 11.09.2004



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