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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Der CD-Titel, so schreibt Kollege Gräwe im Booklet, "steht ein für Frauencharaktere in mannigfaltiger Ausprägung und Verwandlung", die allesamt "ein übergroßes Maß von Leidenschaft und Leiden zu teilen" haben. Eigentlich hat man es mit einer Tautologie zu tun. Denn wenn Vesselina Kasarova Arien, egal ob von Monteverdi, Händel, Mozart oder wie hier von Dramatikern des 19. Jahrhunderts, zum Besten gibt, dann werden daraus per se "Passionate Arias". Kaum eine Kollegin kann derzeit "Leidenschaft" in all ihren Facetten derart mitreißend auf die Bühne bzw. in die Lautsprecher zaubern: mal gefährlich zündelnd, mal in Abgründe hinein verzweifelt, mal inbrünstig flehend, mal berstend explosiv. Kein Wunder, stehen der bulgarischen Mezzosopranistin doch Mittel zur Verfügung, die schon von der Tessitura her höchst selten anzutreffen sind und dabei warmen Glanz ebenso wie metallen strahlende Kraft im tiefschwarzen Altregister bis in gleißende Sopranhöhen verströmen.
Da ihre Spitzentöne der Eboli, Azucena und Ioanna immer mit intensivster Körperspannung "gefasst", wie gezielte Blitze geschleudert, scheinen (und nie an stimmlich verzweifeltes Schreien gemahnen), ist ihr Mezzo nicht weit weg vom "hochdramatischen" Sopran. Ihre typischen Glottisaufschläge und ihr glühendes, gleichwohl nie ausuferndes Vibrato tun da ein Übriges. So trifft die CD den Hörer ins Mark, zumal vor dessen innerem Auge höchst lebendige Protagonistinnen erstehen. In erster Linie eine Carmen, die ihrem Don José (imposant: Zoran Todorovitsch) höchsten Respekt einflößt und alle zickig-männerzermürbenden Zigeunerklischees vergessen lässt. Und dass Samson dieser Dalila nicht widerstehen kann, ist evident! Ein kleiner Wehrmutstropfen: Vor allem bei den italienischen Kostproben hätten sich Giuliano Carella und seine Rundfunkmusiker mehr von Frau Kasarova befeuern lassen dürfen.

Christoph Braun, 24.04.2009



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