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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Erstaunlich, dass Francesco Cileas "Adriana Lecouvreur" so selten auf den Spielplänen deutscher Bühnen auftaucht. Das Stück hat schließlich nicht nur eine ganze Reihe wunschkonzertkompatibler Arien, sondern alles, was der Opernfreund sonst noch gerne hat: ein echtes Divenduell der edlen Titelheldin und ihrer fiesen Widersacherin um einen tenoralen Schwerenöter, und das auch noch in glitzerndes Pseudo-Rokoko gefasst – schöner und opulenter wird auch bei Puccini, dessen Erfolgsstücken Cileas Schauspielerinnendrama lange erfolgreich Konkurrenz machen konnte, nicht geliebt und gestorben. Und wie "Tosca" und "La Bohème" wäre auch "Adriana" mit ihrer drehbuchartigen Stringenz ein guter Stoff für einen Opernfilm. Lamberto Puggellis Scala-Inszenierung (die bereits in einer Version von 1989 mit Mirella Freni auf DVD vorliegt und zum Aufnahmezeitpunkt wohl ohnehin nur noch Staffage war) verschenkt leider weitgehend das Krimipotenzial des Werks: Offenbar nur als Divenvehikel gedacht, weicht sie allzu oft in die repräsentative Totale aus, statt durch geschickte Schnitte und Close-ups die Konflikte zu fokussieren.
Von Regie zu sprechen, weckt im Grunde sowieso falsche Erwartungen. Im weiträumigen Ungefähr des Bühnenbilds haben die Sänger freien Auslauf und machen, was sie eben gewohnt sind. Während Daniela Dessí eine humanere Alternative zum theatralischen Sarah-Bernard-Stil à la Magda Olivero bietet, kommt Olga Borodinas Fürstin mit breiter Tongebung und Bolschoi-Pathos direkt aus dem Theatermuseum. Und Sergej Larins ordentlicher, aber etwas jämmerlicher Maurizio ist den Divenkampf ohnehin nicht wert.

Jörg Königsdorf, 24.04.2009



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