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Piety Street

John Scofield

Emarcy/Universal 1791136
(62 Min.) 1 CD

Der Gitarrist John Scofield war schon lange ein Grenzgänger zwischen Jazz, R&B, Funk und dem Blues. Je älter er wurde, desto deutlicher wurzelte das Gros seiner Aufnahmen in der Tradition des Souljazz. Für "Piety Street" hat der Ex-Sideman von Miles Davis eine klare Entscheidung getroffen: Es sollte ein bluesgetränktes Gospelalbum werden. Und so wurde "Piety Street" tatsächlich ein bluesgetränktes Gospelalbum mit fetten Rhythmen und schrillen Gitarrensounds, dunklem Elektrobass, Percussion als Ergänzung zum Schlagzeug, Piano oder Orgel und Gesang. John Boutté, Bruder der Sängerin Lillian Boutté, verleiht den Klassikern "The Old Ship of Zion" und "Never Turn Back" mit rauer, präzis intonierender Stimme Seele. In "Something’s Got a Hold on Me" ist er zusammen mit dem regulären Sänger, dem Keyboarder Jon Cleary zu hören. Dessen bluesgetränkte Stimme steht in den weiteren Titeln, darunter "I Feel Like a Motherless Child", "Never Turn Back", "Angel of Death" oder "Just a Little While to Stay Here" im Mittelpunkt; lediglich "But I Like the Message" ist eine reine Instrumentalnummer.
Sämtliche Bandmitglieder haben ihre Erfahrung in New Orleans oder in Bluesbands gesammelt, und so sind den dreizehn Titeln kraftvolle Shuffles und herrlich schleppende Rhythmen unterlegt. Dabei leistete sich Scofield den Spaß, "Angel of Death" und "I’ll Fly Away" in Countrygefilden anzusiedeln. So vertraut vieles klingt, steckt der Teufel doch im Detail – und so hört man John Scofield mit eigenwillig weiterverarbeiteten Blues- und Gospellicks von seiner besten, rhythmisch und harmonisch vertrackten Seite. Die Piety Street ist eben doch eine besondere Straße innerhalb der Blues- und Gospellandschaft.

Werner Stiefele, 24.04.2009



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