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Der Moment

Transzendenz

jazzwerkstatt/Records Vertriebsges. MbH jw 055
(44 Min., 8/2008) 1 CD

Der Moment ist nicht die einzige Band im Berliner jazzwerkstatt-Katalog mit einem skurrilen Hau im Namen und Programmtitel. Im Mittelalter machte Stadtluft frei, heute ist es die Berliner Luft, die jüngeren Musikern aus den weiten deutschen Landen die Freiheit verspricht, an die sich im bayerischen Falle der Moment-Musiker in der ursprünglichen Heimat selten jemand so richtig herantraut. In Berlin gehören der niederbayerische Posaunist Gerhard Gschlößl und die Franken Johannes Fink und Matthias Rosenbauer an Bass und Schlagzeug zum Kreis um Aki Takase und ihre Good Boys.
Das New-Jazz-Programm von Der Moment liegt auf einer ähnlichen Linie der unbekümmerten Stilmischung von moderner Tradition und Avantgarde. Die drei sind ein echt gleichberechtigtes Kollektiv mit einer Vorliebe für humorig ausgebuffte Themen, die in immer neuen abgedrehten Rhythmen daherkommen. Raffinierte Arrangements wechseln mit risikofreudigen Interaktionen. Spielwitz und Spielfreude feiern munter heitere Urstände, und man fragt sich, wo der Posaunist die Energie und Ansatzkraft hernimmt, stets derart präsent zu sein. Er kennt seinen Albert Mangelsdorff und Conny Bauer aber eben auch derbere Fetzer wie Roswell Rudd. Matthias Rosenbauer ist ein Ausbund an rhythmischem Einfallsreichtum, seinem Lehrer Bill Elgart nicht unähnlich, und Johannes Fink hat sich zu einer Art Peter Kowald der jüngeren Berliner Szene entwickelt. Wenn in jedem Moment die Essenz der akustischen Jazztradition aufscheint und ganz aktuell im Hier und Jetzt musiziert wird, ist das jazzige Transzendenz? Oder kokettiert der Titel nur launig kess – ganz im Sinne des Programms mit der oft lautstark beschworenen Wertetradition der bayerischen Heimat?

Thomas Fitterling, 17.04.2009



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