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Robert Schumann

Carnaval, Sinfonische Etüden, Klavierstücke op. 32, Intermezzi op. 4 u.a.

Wolfram Schmitt-Leonardy

Brilliant Classics/Foreign Media MMK 93772
(139 Min., 3/2006 u. 4/2008) 2 CDs

Ähnlich wie das Schweizer Label Claves bei seinem parallelen Projekt verteilt auch Brilliant Classics seine Gesamtaufnahme des Klavierwerks von Robert Schumann auf mehrere Pianisten – eine gute Idee, die die Chancen auf gewissenhafte Interpretationen vor allem der unbekannteren Werke erhöht. In der dritten Folge kommt nun der Saarbrücker Klavierprofessor Wolfram Schmitt-Leonardy mit dem "Carnaval" und den "Sinfonischen Etüden", aber auch einigen seltener gespielten Zyklen wie den Klavierstücken op. 32 und den Intermezzi op. 4 zum Zuge. Über die respektable technische Bewältigung hinaus haben die Aufnahmen leider nichts, was sie aus der Flut der Vergleichseinspielungen heraushebt: Individualität, oder gar provokative Zuspitzungen des Materials sind bei Schmitt-Leonardy Fehlanzeige.
Im "Carnaval" halten sich Charme und Temperament in Grenzen, der Schwung der teils recht gemächlich (Etüde V) genommenen "Sinfonischen Etüden" wird durch die Interpolation der fünf Anhangsetüden noch zusätzlich ausgebremst. Schon der zweite Teil des Andante-Themas zerkrümelt hier, statt Poesie und Geheimnis zu entfalten. Ein Grundproblem ist dabei die Tongebung von Pianist und Instrument: Der Klang des Steinway ist in Bass und Mittellage einfach zu dick, um den Akkorden noch Feinnervigkeit abzugewinnen – gerade die dunkle Seite Schumanns wird unter mulmigem Gedonner versteckt. Auch bei den kleineren Zyklen wie den Nachtstücken op. 23 will der romantische Funke nicht wirklich zünden: Gegenüber dem Facettenreichtum, den ein Claudio Arrau im beginnenden Trauermarsch entdeckte, agiert Schmitt-Leonardy zu neutral, die fanfarenartigen Akkorde im Diskant, die die Wiederkehr des Marsches krönen, besitzen bei ihm keine aufschwingende Kraft. Da ist die Konkurrenz einfach besser.

Jörg Königsdorf, 11.04.2009



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