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Georg Philipp Telemann

Werke für Blockflöte

Dorothee Oberlinger, Ensemble 1700

DHM/Sony BMG 88697 39769-2
(70 Min., 9/2008) 1 CD

Eine ganze CD nur mit Blockflötenwerken von Georg Philipp Telemann? Trägt das? Ist die Blockflöte nicht doch zu sehr Sonderinstrument: geeignet, bukolische Stimmungen in Opern oder Orchestersuiten zu erzeugen und Amateure beim häuslichen Spiel zu erfreuen, aber zu begrenzt im Ausdruck, um über eine Stunde lang den virtuosen Alleinunterhalter zu geben? Und ist sich Telemann, der zugab, wohl 1.000 Mal von sich selbst abgeschrieben zu haben, in seinen Werken für dies eine Instrument nicht auf die Dauer zu ähnlich? Was immer an Restvorurteilen gegen Instrument und Komponist in den Köpfen herumspuken mag, Dorothee Oberlinger und das Ensemble 1700 fegen es hinfort. Von der unbegleiteten Solosonate bis hin zu kontrapunktisch ausgefeilten Trios mit ausgeschriebenem Cembalopart und gleichberechtigtem Dialog zwischen Blockflöte und Viola da Gamba reichen die Besetzungen. Und die Vielfalt der Satztechniken wird dabei noch weit übertroffen von der Vielfalt der Stile des von Telemann gepflegten "vermischten Geschmacks". Oberlinger und ihr Ensemble spüren dabei nicht nur italienischen, französischen und polnischen Einflüssen nach, sondern entdecken in den widerborstigen Rhythmen des Schlusssatzes der ersten Partita der "Kleinen Cammer-Music" auch noch spanische Untertöne.
Doch was immer Oberlinger und das passend international zusammengesetzte Ensemble 1700 auch tun, nie hat man hier den Eindruck, dass die Interpreten diese Musik erst künstlich interessant zu machen versuchen. Oberlingers Ausdruck wirkt selbst in den extrovertiertesten Momenten niemals forciert. Alles, was sie zu sagen hat, sagt sie in einer Verbindung aus technischer Präzision und genau durchdachter Phrasierung: virtuos, fehlerfrei, unaffektiert und doch von einem unsentimentalen Gefühl belebt, wie es sonst nur Singvögeln in der freien Natur gelingt.

Carsten Niemann, 11.04.2009



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