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As Ney

Cyminology

ECM/Universal 1780149
(58 Min., 4 u. 5/2008) 1 CD

Auch das ist Berliner Musik, nicht die der sich mit immer noch virulenter Aufbruchsenergie stets neu feiernden und formierenden New-Jazz-Szene, sondern die einer wahrhaft polyglotten Stadt, in der unterschiedliche Kulturen jenseits von Multikulti-Gedöns natürlich und behutsam zusammenfinden können. Cyminology nennt sich das Quartett, das diese Musik hervorbringt. Benannt ist es nach seiner Leiterin, der Sängerin und Komponistin Cymin Samawatie, einer Iranerin, die in Deutschland aufgewachsen ist und Musik studiert hat. Ihre Partner sind der Pianist Benedikt Jahnel, der Bassist Ralf Schwarz und der in Delhi geborene Schlagzeuger Ketan Bhatti.
Die Triebfeder für Cymin Samawaties Musik ist altpersische Lyrik, seit sie diese auf CDs bei einer Tante entdeckt hat, obschon sie Alt-Farsi zunächst nur sehr schwer verstand. In ihren Kompositionen gelingt es ihr, diese alten Texte mit ihrer oft ungeraden Metrik vollkommen natürlich und auf verzaubernde Weise in eine Klaviertriomusik zu integrieren, die viel mit der neuen Innerlichkeit zu tun hat, wie sie auch ein Marc Copland oder Marcin Wasilewski pflegen. Nichts wirkt exotisch aufgesetzt; die klare und doch warmtönende Stimme dient dem Wort und der Musik gleichermaßen – und keineswegs selbstverliebten Vokalisen. Im Iran dürfte Cymin Samawatie als Frau nicht öffentlich singen – und mit Männern schon gleich gar nicht. In Berlin kommunizieren die Mitglieder von Cyminology ganz selbstverständlich auf Augenhöhe und in einem Deutsch, dem man die Abkunft der Sprecher nicht anhört. Cyminology ist eben ein Berliner Ereignis.

Thomas Fitterling, 03.04.2009



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