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Johannes Brahms

Klaviertrios

Nicholas Angelich, Renaud Capuçon, Gautier Capuçon

Virgin/EMI 545 653-2
(90 Min., 12/2003) 2 CDs

Ein bisschen erstaunlich ist es schon: So sehr Johannes Brahms zögerte, die "große" Form der Sinfonie öffentlich zu präsentieren, so skrupulös er auch mit der kompositorisch krönungsgleichen Gattung des Streichquartetts umging - so souverän nahm er sich in jungen Jahren eines Genres an, das auch nicht eben zu den leichtgängigsten zählt. Gerade einmal 24 Jahre brachte das Hochtalent auf die Waage, da warf er ein Klaviertrio in H-Dur aufs Papier, welches - auch eingedenk der geringen Reparaturen, die er im hohen Alter auf Anraten des Wiener Musikpapstes Eduard Hanslick einfügte - seine immense Meisterschaft in Sachen Kammermusik nachhaltig dokumentiert. Sowohl in seinen Proportionen, als auch stimmführungstechnisch bildet Brahms' Opus 8 einen Meilenstein der Gattung.
Wie sehr dieses Wunderwerk an Leidenschaft, Ausdruck und formaler Strenge den Vergleich mit den späteren zwei Klaviertrios aushält, zeigt die spannungsgeladene Aufnahme mit dem Pianisten Nicholas Angelich und den Gebrüdern Capuçon. Da ist, im nuanciert abgestimmten Zwiegespräch der Partner, durchgängig jede Menge Feuer im Spiel, aber, wie im "Scherzo", auch eine gehörige Portion Charme, und, so im "Adagio", ein sensibles Gespür für den melodischen Atem des Satzes, kurzum: Der ganze Brahms steckt schon in dieser Wiedergabe. Und mag hier, wie auch in den Trios op. 87 und op. 101, manches Klangbild zumal in den Ecksätzen eine Spur zu pastos, manche harmonische Feinheit überpinselt sein - dem romantischen Dualismus aus ungezügelter Sehnsucht und tränenreichem Innehalten wird mit klanglich ausbalanciertem Spiel entschieden Rechnung getragen. Ein Satz fällt dennoch heraus: das nachgerade weltenentrückte "Andante grazioso" aus dem c-Moll-Trio. Da vermeint man glatt, die Engel singen zu hören. Bedenkt man das Alter der Capuçon-Brüder, ist das schon irgendwie erstaunlich.

Jürgen Otten, 29.05.2004



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