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Johannes Brahms

Streichquartett op. 51 Nr.1, Streichquintett op. 111

Belcea Quartet, Thomas Kakuska

EMI 557 662-2
(62 Min., 7/2003, 9/2003) 1 CD

Ein unverheirateter Mann, lebenslang. Verborgen seine Leiden(schaften), seine Sehnsüchte, zumeist jedenfalls. Und die eine Frage bis heute: Hatte er oder hatte er nicht - eine Liaison dangereuse mit Clara Schumann? Hört man das Allegro des Streichquartetts op. 51 Nr. 1 mit dem Londoner Belcea Quartett, man möchte meinen, alle Wünsche des Johannes Brahms seien in seine Musik eingegangen. Ein einziger Gefühlssturm braust über uns hinweg. Ohne Wenn und Aber. Ohne Halt. Grandios gespielt, aus einem Guss, so, als seien die vier Instrumente zu einem verschmolzen. Meisterlich in den Proportionen, in der dramaturgischen Logik. Und von einer hemmungslosen, ungebrochenen Leidenschaft, wie viele sie Brahms wohl niemals zutrauen würden.
Da wächst, interpretatorisch, Bedeutsames heran. Denn die vier von der Geigerin Corina Belcea angeführten Musiker zeigen in ihrer nunmehr zweiten Aufnahme für EMI ein betörend perfektes Zusammenwirken der Energien, eine beeindruckende stilistische Souveränität und, noch mehr, einen stupenden Sinn für die typisch Brahms'schen Couleurs. Und auch zu fünft, mit dem Bratscher des Alban Berg Quartetts, Thomas Kakuska, als Gast, zeigen die jungen "wilden" Briten, über welch enormes musikalisches Verständnis sie gebieten. Ihre in jeder Hinsicht luzide und mitreißende Lesart des späten Streichquintetts op. 111 braucht den Vergleich mit den legendären Aufnahmen nicht zu scheuen. Gut möglich, dass die Thronfolger der großen Quartettkönige, der Juilliards, der Alban Bergs, der Emersons (um nur einige zu nennen), mit dieser Interpretation gekürt sind.

Tom Persich, 15.05.2004



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