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Johannes Brahms, Erich Wolfgang Korngold

Violinkonzerte

Nikolaj Znaider, Wiener Philharmoniker, Valéry Gergiev

RCA/ Sony BMG 88697 10336-2
(68 Min., 12/2006) 1 CD

Nikolaj Znaiders neuestes Album ist eine Hommage an Wien, wo er bei Boris Kuschnir als Student vor gar nicht allzu langer Zeit seinen Feinschliff erhielt. Daher die ästhetisch eher krude Gegenüberstellung zweier anderer Wahl-Wiener, Brahms und Korngold. Lokalspezifisch auch das Umfeld: Flankiert wird Znaider im glorreichen Saal des Musikvereins von den Wiener Philharmonikern. Die gemischten Gefühle, die die bisherigen Veröffentlichungen hinterließen, kehren wieder, wenngleich in leicht abgemilderter Form. Zunächst scheint Znaider seine Stärken weiter ausgebaut zu haben. Seine Intonation ist fern jeder Trübung, die Tongebung sehr weich und elegant, die hohen Lagen klingen fast immateriell, Ordinario und Flageolett sind oft kaum noch zu unterscheiden, die Artikulation ist schlank und wendig. Zugleich hat Znaider im Spagat zwischen Vorausplanung und Detailgestaltung an Standfestigkeit gewonnen. Doch gemessen an der reichen Interpretationsgeschichte beider Konzerte (bei Brahms fallen einem sogleich unzählige Namen ein, bei Korngold mindestens Perlman und Heifetz) und auch gemessen an dem, was die besten seiner Kollegen zurzeit diesen Stücken abgewinnen, mangelt es Znaiders Handschrift an Prägnanz, seinem Vorgehen an Stringenz.
Die bewusst ruhige und mit Dirigent Valéry Gergiev gut abgestimmte Grundhaltung ermöglicht ein inniges Aussingen weiter Linien und ein klar ausdifferenziertes piano, animiert aber immer wieder auch zu Manierismen in Dynamik und Agogik, die jedoch nicht so konsequent durchgehalten werden, dass daraus ein eigener Deutungsansatz erwachsen würde. An anderen Stellen, etwa dort, wo Korngold kompositorisch leerläuft, wünschte man sich mehr Finesse, den sportlichen Elan, mit dem der erwähnte Itzhak Perlman an der Seite von André Previn dem hier angerichteten Kitsch einst eine heitere Süffisanz noch abgewonnen hat. Dabei ist die Jammerei des Rezensenten eindeutig dem Respekt geschuldet: Znaiders Potenzial liegt offen zutage. Er müsste es bloß im Werk genauer kalkulieren.

Raoul Mörchen, 30.03.2009



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