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Johannes Brahms, Robert Schumann

Klavierquartett op. 25, Fantasiestücke op. 88

Martha Argerich, Gidon Kremer, Yuri Bashmet, Mischa Maisky

DG/Universal 463 700-2
(58 Min., 2/2002) 1 CD

Bei Ensembles, die sich aus berühmten Solisten zusammengefunden haben, ist manches Mal die erste Frage, die man sich stellt: Konnten sie ihre zweifelsohne immer vorhandenen ausgeprägten individuellen Vorstellungen so zusammensetzen, dass ein geschlossenes Ganzes daraus geworden ist, oder versucht jeder, seine eigenen Ideen durchzusetzen? Die hier vereinten Musiker sind mit Sicherheit viel zu professionell, um sich etwas anderes als eine musikalisch-homogene Ausführung zu leisten, und gerade Martha Argerich und Mischa Maisky haben bereits etliche Projekte gemeinsam realisiert - man kennt sich also.
In der vorliegenden Starbesetzung gelangte das Klavierquartett Nr. 1 g-Moll Op. 25 von Johannes Brahms erstmals auf dem schweizerischen Verbier-Festival 2001 zur Aufführung, und der große Erfolg regte die Beteiligten zur Aufnahme im folgenden Jahr an. Und man kann ohne Übertreibung sagen, dass es ein Verlust gewesen wäre, dieses kammermusikalische Juwel nicht festzuhalten. Das Spiel der vier Musiker lässt an Intensität, an Eleganz im Ton und souveräner Virtuosität keine Wünsche offen, und wenn jeder immer wieder mit eigenen Akzenten im Klangbild herausragt, so ist es eine Sache, die den Ausdruck wie den Gesamteindruck nur befördert, denn wie langweilig gelänge nicht eine völlig homogenisierte Mischung, die die Individualität verwischte. Die Kunst des Zusammenspiels erreicht so einen brillanten, offensiven und extrovertierten Stil, der beim "Rondo alla Zingarese" seinen Höhepunkt erreicht.
Schumanns Fantasiestücke Op. 88 für Klavier, Violine und Cello dagegen erreichen auf dem beschriebenen schmalen Grat zwischen Individualismus und Kompromiss schon eher eine Grenzstellung. Hier gerät zum Beispiel bei aller Kunstfertigkeit die "Humoreske" zu akzentuiert und dadurch sogar in rhythmischer Hinsicht etwas holpernd. Man kann das Ganze zurückhaltender, und doch mit gleichem, vielleicht intimerem musikalischen Gehalt spielen, und was man bevorzugt, ist letztlich wohl eine Frage des Charakters und der Stimmung des Hörers.

Matthias Reisner, 14.02.2004



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