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Sergei Prokofjew, Edward Elgar, Camille Saint-Saëns

Werke für Violine und Orchester

Itzhak Perlman, BBC Symphony Orchestra, Gennadi Roschdestwenski, Sadler’s Wells Orchestra, Charles Mackerras

medici arts/Naxos 3085228
(81 Min., 1971 u. 1980) 1 DVD

In seinen besten Momenten ist Itzhak Perlman ein wirklich großer Musiker, in seinen schwächeren immerhin noch ein guter Geiger. Was an vorausschauender Überlegung und Reflexion hin und wieder fehlt, ersetzt eine vielleicht naive, aber doch oft genug bezaubernde Musikalität, eine spürbar ungebrochene Liebe zu seinem Instrument und eine ungemein leichtgängige Technik. Der süße, süßliche, jedenfalls unerhört warme, schmuseweiche Klang steht ein ums andere Mal ein für die kompositorische Sache selbst.
Manchmal allerdings mangelt es an beidem: am musikalischen Zugriff und der artistischen Verzauberung. Die TV-Mitschnitte von 1980 (1. Violinkonzert von Prokofjew) und 1981 (Violinkonzert von Elgar) mit dem BBC Symphony Orchestra unter Gennadi Roschdestwenski sind allenfalls Dokumente professioneller Routine. Nicht, dass hier lustlos musiziert würde – Perlman und Orchester spielen sichtlich vergnügt, doch eben wie Spitzenteams so spielen, wenn’s bloß ein Freundschaftsspiel ist. Sie treiben die Musik locker vor sich her, ohne erkennbare Taktik oder gar ein festes Ziel vor Augen. Und offenbar auch, ohne sich genauer abgesprochen zu haben – unpräzises Zuspiel ist mehr als einmal die Folge. Vielleicht um diesen schon vor Ort diagnostizierten Mangel zu kompensieren, zerbeult Perlman übereifrig seinen wunderbaren Ton auch noch mit einem käsigen Vibrato und mit schweren Akzenten, die vermutlich Bedeutung suggerieren sollen. Besser gelingt zehn Jahre zuvor dem damals 25-jährigen Solisten das freilich anspruchsarme „Introduction et Rondo capriccioso“ von Saint-Saëns mit Charles Mackerras und dem Sadler’s Wells Orchestra. Weniger als das hätte er eigentlich nie nötig gehabt.

Raoul Mörchen, 25.02.2009



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