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Songs For Cello

Rufus Cappadocia

Daqui/harmonia mundi DAQ 332037
(45 Min.) 1 CD

Der kanadische Cellist Rufus Cappadocia ist ein Wanderer in vielen musikalischen Welten; klassisch geschult von Kindheit an, warf er sich als Student in Montreal mit Verve in die dortige Avantgarde-Jazzszene, war gleichzeitig unersättlicher Leser des ethnomusikalischen Instituts, spielte mit seinem elektrischen fünfsaitigen Instrument auch schon mal in der U-Bahn; in Europa absorbierte er begierig die Flamencotradition, um dann schließlich von New York aus die Musik des Balkans und vor allem des Orients zu entdecken. Dieses Soloalbum, bestehend ausschließlich aus Cappadocia-Originals und live in verschiedenen Konzerten in Kanada aufgenommen, ist denn auch sehr stark orientalisch geprägt. Auf der Mehrzahl der Tracks erhebt sich die gestrichene Cellostimme mit einem quasi melismatischen instrumentalen Psalmodieren über die Borduntöne einer elektrischen Tanpura.
Auch "Transformation", das es als QuickTime-Video-Bonustrack zusätzlich mit der Performance einer Tänzerin gibt, ist letztlich der gleichen orientalisch geprägten harmonischen Statik verpflichtet, auch wenn es gewissermaßen als aberwitzige Adaption von Flamenco-Gitarrenspiel und -Händeklatschen auf Springbogen- und Pizzicatotechnik daherkommt. Allein der Song "Forgiveness" als ein gleichsam auf das Cello übertragenes virtuoses Kontrabasssolo aus dem Geiste der Doppelgrifftechnik eines Jimmy Garrison setzt hier einen deutlich anderen Farbtupfer. Man kann nun wie der Klappentext von einer aufregenden Entdeckungsreise in Cello-Neuland schwärmen, oder aber an Carl Orff erinnern, der angesichts der verwandt anmutenden Minimal Music bemerkt haben soll: "’S nimmt halt kaa End."

Thomas Fitterling, 20.02.2009



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