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The Grieg Code

Geir Lysne Ensemble

ACT/Edel 0094792ACT
(55 Min., 6/2008) 1 CD

"The Grieg Code" hat schon mit Edvard Grieg zu tun – allerdings nicht so platt, dass Geir Lysne Kompositionen seines norwegischen Landsmannes verjazzt hätte. Seine Hommage an den Komponisten greift zwar Motive aus dessen Werken auf, stellt sie aber dann bis zur Unkenntlichkeit um – so, wie er durch Buchstabentausch aus Griegs Lied "Wo sind sie hin?" nach Heinrich Heine das neue "Wonde Hinsisi" macht. Es gibt also keine direkte Erinnerung an "Solveigs Lied" – hier "Glossi Vangse" – oder andere Griegklassiker, wohl aber viel großartigen Bigbandjazz, der von folkloristischen Elementen bis zur Elektronik alles umfasst, was Lysne für anspruchsvolle, moderne Kompositionen braucht. Er komponiert ungewöhnliche Klangfarben, er unterlegt den Solisten differenzierte Arrangements, er versetzt in Gefühlswelten zwischen Melancholie, Wachsamkeit, Spannung und Erleichterung.
Indem er "Transad Nias" mit einem Dialog von Maultrommel und Waldhorn einleitet, verweist er schon in der Eröffnungsnummer der CD auf die regionalen folkloristischen Wurzeln seiner Musik ohne je volksmusikalisch zu werden. Auch in den weiteren Stücken schaffen Rahmentrommeln oder von der Volksmusik beeinflusste Gesangspassagen regionales Flair. Andererseits verweist die Tieftönergemeinschaft von Elektrobass, Tuba und Waldhorn auf Arrangementstudien bei Gil Evans. Aber dies alles sind nur Einflüsse und Elemente in den bestens ausgearbeiteten, vielschichtigen Stücken. Lysne ist längst so weit, dass er Musik mit seiner eigenen, unverwechselbaren Handschrift komponiert. "The Grieg Code" ist seine bislang reifste Platte.

Werner Stiefele, 13.02.2009



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